Deborah Hartmann leitet seit rund vier Jahren die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz in Berlin. Zusammen mit anderen Gedenkstätten und Stiftungen hat sie eine Gedenkveranstaltung zum 7. Oktober organisiert. Mit der »Jungle World« sprach sie über die Bedeutung dieses Datums für die Erinnerung an die Shoah, die Interventionen ihrer Gedenkstätte und die Angriffe seitens ihrer Gegner.
Ihre Gedenkstätte hat Anfang Oktober im Berliner Theater Strahl eine szenische Lesung organisiert, in der Stimmen von Überlebenden des Massakers vom 7. Oktober »Gehör verschafft« werden sollte, wie es im Ankündigungstext hieß. Was war Ihre Idee dahinter?
Der Historiker und Schriftsteller Doron Rabinovici, der sich viel mit Zeugenschaft von Shoah-Überlebenden befasst hat, hat für die Lesung Berichte von Überlebenden des 7. Oktober gesammelt und zusammengestellt. Inszeniert wurde sie vom Institut für Neue Soziale Plastik, einem Zusammenschluss jüdischer und antisemitismuskritischer Künstler:in­nen. Im Anschluss gab es eine Diskussion über die Frage, wie der 7. Oktober die Erinnerung an den Holocaust verändert und warum das Massaker bei vielen Jüdinnen und Juden eine Retraumatisierung in Bezug auf die Shoah ausgelöst hat. Das sind Fragen, die auch die Gedenkstätten betreffen. Mir war diese Veranstaltung wichtig, weil es keinen Konsens darüber gibt, was am 7. Oktober passiert ist. Wir sehen, dass sich bereits kurz nach dem 7. Oktober Bestrebungen ­zeigten, die genozidale Gewalt der Hamas zu verharmlosen, mitunter gar zu leugnen oder zu legitimieren. Da­gegen hat die Lesung einen Raum für die Stimmen der Betroffenen geschaffen.

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About rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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