Sudelbuch

20.4.2017
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16.4.2017
Ich hätte alles barbarische Unrecht zurecht
bei mir: gegen zwei Menschen.

In einem Unrechtsstaat. – Kapital aber ist der Rechtsstaat. Zu unrecht.

13.4.2017
Ein Interview in der Zeit. Da ist Frank Schäfer inzwischen gelandet aus den guten Zeitschriften weg. Heute mit dem Gesprächspartner F. W. Bernstein. (Siehe unter diesem Datum in der Timeline). Ich kenne sie alle, seit Studiums- und Verlagsarbeitszeiten. Seit sie fliehen in das, was sie vorher, in Jugend- und Lesejahren, verachteten. Sind sie realkulturell geworden, realliterarisch, realpolitisch? Nein, sie sind geworden, wie sie immer schon sozialisiert waren; von der Vatermordsgesellschaft zur Vaterlandsliebegemeinschaft. Das ist der prinzipielle Weg. – Als ob die Neue Frankfurter Schule nicht auch ein Widerstandsweg gewesen wäre, als ob Frankfurt an der Senckenbergallee nicht ein anderes gewesen wäre als diese Republik, die als Sommermärchen sich neu zusammengeschissen hat als ein Deutschland. Groucho! – Es ist grausam zusehen, was „meine“ Autoren von vor 15, 20 Jahren sich so zusammenschwallen; und selbst die gut gebliebenen: mir höchstselbst Arschlöcher!

1.4.2017
Ja, ich kenne sie alle, wenn nicht durch Schrift, so oft auch durch Small Talk, auf Historikertagen, Soziologentagen, Buchmessen in Frankfurt und Leipzig. Guck ins Fernseh, sehe ich die Dümmsten, denen ich mal die Hand gegeben habe oder die mir vorm Schreibtisch saßen. Ich kann viel erzählen; und das tue ich auch, im Wordpadhintergrund dieser WordPressseite.

30.3.2017
Autoren, Schriftsteller, kritische Journalisten sind auch nur Menschen im bürgerlich-kapitalistischen Betrieb. Ich habe Jörg Schröder (Lest „Siegfried“!) und Barbara Kalender in Augsburg besucht während meiner Gründung des Oktober Verlages. Da hing die olle hochglanzpolierte Radkappe vom Jaguar an der Wand, und Sachen vom Rolf Dieter Brinkmann holte Barbara von hinten an den großen Tisch im hellen Raum nach vorne. Den roten ersten Prospekt legte ich vor, und den mir inzwischen komplett doofen Jürgen Roth (siehe Eingangssatz) fanden beide toll. Je nun, mit um Unterstützung wissenden Optimismus fuhr ich nach einem schönen Nachmittag dort mit meiner Guzzi von dannen. Gen Freiburg, wo ich bei Joachim Bruhn und den Ca-Ira-Leuten dann die Lesung von Hermann L. Gremliza aufsuchte, mit Wahrheit und auch dem Zweck, auf einen kommenden Verlag bei Freunden aufmerksam zu machen.

Daß ein minderbemittelter zwangscharakteristischer Taxifahrer und ein kulturregionaler Plattenaufleger mit rechter Hand es schafften, ein humanes Projekt in den Orkus regionalköchelnder Krimis und freundschaftlich herangeschaffter Semi-Schreiber/innen zu stoßen, verdanken sie meinem Kapital, meinem realen, meinem ideellen, meinem herangeschafften (KfW). Der Rest ist Hass, gegen die, denen ich in meiner GmbH zuviel (Drittel jeweils) Mitsprache gegeben habe, und gegen die Autoren alle des Anfangs, meine, gut zwanzig, die ich angeschrieben habe und die aber lieber ihr Verlagsvertragssüppchen mit den beiden GEHASSTEN weiterkochen wollten.
Seitdem halte ich von „kritischen“ Medialen nichts (in Worten: null) mehr, die sind genauso doof im wirklichen Leben die dümmsten Wähler, über die sie scheinheilig schimpfen. Blanke Kontoegoisten. Na, sollen sie ihre Förmchen auf taz, jungle world, Titanic, Konkret, FAZ oder sonstigen SCHLEIM backen. Grauenhaft, auch diese Guten.

19.3.2017
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17.3.2017
Seit meinem 15ten Lebensjahr ist Frank Zappa bis heute vielleicht der einzige Musiker, der mir immer zugeneigter wurde beim immer wieder hören. „Sind Sie Musiker? Manche glauben das.“
*Ich bin berühmt, aber viele Leute wissen nicht, wofür.*
Spielt nicht für den Papst, nicht für Verbände, nicht für Organisationen, ist gegen Zensur; aber für die Kommunisten in Frankreich. „Wir sind die anderen Leute.““Fans der alten Alben wissen nicht, was heute läuft. Deppen halt.“ „Du sollst wissen, daß ich jemand anders bin.“
„Was ich erreichen möchte? Nicht arbeiten zu müssen.“
Das mit Watschlapp Havel war ein Irrtum, behaupte ich zu seiner Entschuldigung.

4.3.2017
ersatzprobe.twoday.net – 26. Feb 2008, 19:20 – gewonnen verloren
Eine herzitierte Erinnerung

ref_084Ach, ich weiß auch nicht: In Ruhe Bücher machen wollten sie. Ich habe ihnen ermöglicht, was ich mir bauen wollte, einen vernünftigen Verlag als Lebensinhalt, besser Lebensunterhalt und später Rentnerhobby. Ein Verlegerwerk.
In einem Jahr hab ich, ohne Ruhe, unentgeldlich eine GmbH aufgestellt, von der Idee bis zu den Bankkonten, mit erstem Programm zur Buchmesse gebracht, mit 120 000 Euro im Rücken, mit Lesereihe und Komplettkontext. Alles aus eigener Erfahrung und Aneignung. Und alle ersten zwanzig Autoren angeworben. Materielles, idelles sog. Kapital eingebracht, Arbeitskraft, Liebe und Kenntnis und Kontakte. Und es hat wunderbar geklappt.
Und ich hab wundersam verloren: Alles. Meine Branche, meine Aktivität, alle materielle Sicherheit, meine Motivation, Freunde, Bekannte, meinen Glauben an Restpartikel Humanität. Ich glaube an nichts mehr, außer an die Tatsache, daß in dieser Welt sog. Freunde noch Obdachlosen in die Tasche greifen.

1.3.2017
KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAVor zehn Jahren war ich zum letzten Mal an den Stätten der Heldentaten von Kindheit und Jugend. Hier der Sportplatz oben auf dem Berg (die Sportanlage Rensmanns Feld gab es noch nicht), die Spitze der Dorfkunst – hinten die Schützenhalle -, damals noch ein Rasenplatz, der Grätschen und Torwartparaden in kurzer Hose möglich machte. Links runter gehts zum Bahnhof, wo man nach Osnabrück zur Schule fuhr, bis nur noch der Bahnbus rollte. Rechts runter ins Dorf mit der entscheidenden Vereinskneipe „Zur Pötte“, wo das eine und andere Mineralwasser getrunken wurde.

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Lehrstätte mit belehrtem Gelehrten

Unterrichtet wurde die Jugend der Ostkapelle (Ostercappeln!) zum Osnabrücker Dom auch: in der Ludwig-Windthorst-Schule mit moderner Turnhalle. Wo der BuPrä Wulff in Westerkappeln unterrichtet wurde, weiß ich nicht, ich sah ihn nur später manchmal in Osnabrück als Schüler auf den Bus warten. Die Grund- und Hauptschule am Ort, die ich vier Semester unter der Obhut der geliebten Lehrerin „Frau Martens“ (sie unterrichtete alles außer Sport) besuchen durfte, sehen Sie rechts, mein Klassenzimmer sogar; trotz s/w-Foto war´s keine Schwarze Pädagogik. Mit Mitschülerin Petra (zwei lange Zöpfe und trotzdem sehr sexy) lieferte ich mir Schlachten in der Kenntnis indianischer Bräuche. Unser beider Quelle war hauptsächlich das Fernsehen, das damals wesentlich Western für Groß und Klein zeigte; und natürlich den Lederstrumpf mit Hellmuth Lange.

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Die Mädchenschule am (katholischen) Kirchplatz

Auf Gut Caldenhof (heute eine moosbewachsene Ruine, wo gerade der Grundriß des hohen Hauses noch zu sehen ist)  geboren benamt Zentrumsaushängeschild Windthorst im Zuge seiner Kulturkampf- und Politkarriere gegen Bismarck seit langem die oben vorgestellte Grund- und Hauptschule am Ort, er mußte jedoch vorher als Zögling in die Mädchenschule. Die ist heute bzw. war vor zehn Jahren recht hübsch herausgeputzt, und überhaupt: Auf diesem Kirchplatz lernte ich bei einer 1.-Mai-Feierlichkeit Frank Zappa kennen, die einzige konstante Liebe meines Lebens, sieht man einmal von den anderen alle ab. So, genug erzählt, hier noch ein Sinnspruch, den sich jeder zurechtrücken kann:
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17.2.2017
Im Hinblick auf die immer klarer sich abzeichnenden 35 Werke der Skulptur Projekte Münster 2017 ist es ein „Muß!“, auf die im 1899-Projekt von Netzberg (mein Nickname, hehe) auf YouTube ge- und berichteten Skulpturen hinzuweisen, welche im öffentlichen Raum schon so rumstehen. – Ein Aus- bzw. Rückblick auf den hochwahrscheinlichen wieder mal Nichtaufstieg des VfL Osnabrück wird dort auch gegeben. Vereinsmitglieder wie ich haben dafür sogar freien Eintritt! Zwischendrin tolle Sachen, wo auch jeder mitmuß, der schon ein Herforder Pils von der Osnabrücker Trikotbrust gerissen hat.

12.2.2017
Inventurversuch des ehemals abonnierten und z.T. noch gelesenen Preßwesens

konkret, 1974-2001 (bis heute)
Titanic, 1980-1998 (bis heute)
links, 1988-1997 (Einstellungsparty in Frankfurt im KOZ, war sehr nett)
Die Beute, 1989-1992
ultimo, 1981-2017ff. (Alles wissen in Münster)
Pädagogische Korrespondenz, 1987-2017 (läuft)
Zeitschrift für kritische Theorie, zu Klampen Verlag, die ersten
Spex, 1988-1993
Heaven Sent, alles, war kurz und gut. Musik!
Deutsche Literatur, 1989-1998, der Rezensentenwahn
Zwischen den Zeilen 1&2. Gedichte!
Das Ding von Delabar, Namen vergessen
und ein paar andere noch

2.2.2017
Jürgen Roth hat den Band Der Mann mit den neunhundertneunundneunzig Gesichtern. In Gedenken an Michael Rudolf, 14.5.61-2.2.2007, (Oktober-Verlag, Münster 2008) herausgegeben. Unter der löchrigen Regenschirmherrschaft von Roland Tauber, Michael Billmann und den beiden Vannerdats.
Jürgen Roth hat mir/mich Michael vorgestellt auf einer Frankfurter Buchmesse. Mit Jürgen, dem Henscheid-Cover,  hatte ich als Lektor bei der Büchergilde und dem Westfälischen Dampfboot zwei Bücher gemacht. Wir erkannten uns sofort, als Schreiber, als Leser. Und der Kontakt blieb bis zu meinem Projekt des Oktober Verlages, für den auch in der Pinkus Müller Biergalerie einige Brauvarianten verköstigt wurden mit beiden Bierkennern und sogar -Braumeistern. Auf der Kulturschiene setzte eine gemeinsame Lesung die Erlöserwartungen kommender Bücher hoch. Jürgen wurde auf Fußball verpflichtet, beide auf Bierbücher, denn Papst und Gegenpapst des Nationalgetränks sollten in dem Friedensstadtprojekt des revolutionären Buchmessenmonats schröderkalendergemäß vereinigt sein. „Dieser Stein sei weise“, meinte verlegerisch Michael sofort. Jürgen mußte pissen.
Beide machten also mit, auch beim Abschuß des Gründers, der die ersten 22 Verlagsverträge auf seinem allein gebauten Fundament unterschrieben hat. – Keinem trauere ich auch nur eine Träne nach. Und denen, die mit in der Kreuzeck-Bierstube gesessen haben, Martin Jürgens, Karl-Heinz Hucke etwa, schon gar nicht.
Ob tot, ob lebendig. Wegen mir auch umgekehrt. Der Beschiß bleibt der gleiche.
Das Leben (nur meins, alles) lebt nicht. Weder systemisch noch gar persönlich.

14.01.2017
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Latürnich, ich erinnere mich, an eine der zwei behaltenen Langspielplatten; knapp dreihundert wurden im Sommer 2015 an die Poptanke verkauft, die heute dort residiert, wo ich in der 80ern wohnte, und die jungen DJs versorgt, die genauso klug sind wie ‚wir‘ damals waren mit Ende zwanzig: nämlich sehr klug. Obwohl: Meine Blechtrommel, dortige damalige Stammkneipe mit Blues, Brinkhoff´s No.1, Leberkas und Bratkartoffeln heißt jetzt Boulette Boheme und bietet Tatortsonntagabende. That´s Zukunft. – Meine gut zweitausendfünfhundert historisch-philosophisch-zeitdiagnostischen Bücher stehen seit eben jenem Sommer in Wolbeck, beim Antiquariator, sind also auch noch in der Stadt. Man kann nur ein Hemd mitnehmen, sagt der Zoll, ein dünnes, in Bangladesh genähtes. Und so habe ich gehandelt. Soziale Praxis.
Ich lebe nun in einem Aesthetischen System mit knapp tausendfünfhundert Literaten, die mit ihren Büchern vom Regal auf mich zeigen, wenn ich am Elektrogerät Lob & Tadel für sie suche, oder Geschichte, Literaturgeschichte. Ja, es ist wohl so, wie der von Martin Zingsheim gerne zitierte Robert Lembke sagt: Man liest so viel über die Gefahren des Rauchens – ich glaube, ich gebe das Lesen jetzt auf.

27.12.2016
Fristgerechte, ja punktgenaue Rückgabe Thomas Melle an die Stadtbücherei Münster
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22.12.2016
kk 20siebzehn wird MEIN Jahr: Skulpturen in Münster, Kaspar König auf all meinen Fotos, Dokumente in Kassel sichten (Schlafsack nicht vergessen!), dann nach Venedig und schnell wieder dort weg via Mandello Moto Guzzi (ohne Schlafsack) nach Hause. Dann zwei Wochen Radln-an-der-Ruhr, Museum, Museum, Museum. Und noch ein Museum. Und Kunst, Kunst, Kunst: im öffentlichen Raum. Und Fußball im Stadion am Zoo (Manno!) sowie an der Wedau. – Das beste Jahr der Welt kann kommen!

2.12.2016
Mein Sohn – inzwischen schon älter als ich – sendet mir selbständig eine Erinnerung an unsere gute alte Zeit im Wassertor (gegenüber von Angelos Eisdiele und neben unserer Billardkneipe Litfass gelegen, vorher immer Pizza im Niveau): ein Video aus der Harald-Schmidt-Show. Wer die Grenzen auch nicht kennt, kann HIER ruhig mal eine Minute hingucken.

23.11.2016
Ach, was hatte ich schöne Websites. Die-Lese.de, rainer-kuehn.info, -twoday.net und viele mehr vom Anfang 2000 an. Nun aber WordPress, und sammeln was zu sammeln ist. Auf externen Festplatten existiert das alles ja noch. Auch die ersten Oktoberverlagsdaten – als Beweise! Neben den Akten fürs Marbacher Archiv.
Es gab auch eine Website, die nur aus Zitaten bestand: die hätte Bert Brecht (Geschichten vom Herrn Keuner, dort: Originalität) gefallen! Resonanz tendierte allerdings gegen Null. Hier ein Beispielfenster (Window) mit Max Horkheimer und Ernst Ludwig Kirchner. Natürlich wurde nie ein Zitat ausgewiesen. Lesen ist Lesen ist Lesen! Und ohne Autor_ität erkennen, was human ist. – Sprung in die Praxis? Und zurück!

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20.11.2016
40 Jahre Zappaist – seit dem 1. Mai 1976, wo der ev.-luth. Bollerwagen auf dem Kirchplatz zu Ostercappeln am kath. Pfarrheim vorbeizog, davor der offene Oldtimermercedes der Jungs, die Fußball im Fuß und eben Musik in der Mercedesanlage hatten. Super blaues Wetter, und es war die grandiose Doppel-LP ‚Roxy & Elsewhere‘, die aus den Boxen schallte. Sofort erfragt bei Gerry Seeger, Martin Hegge und den Knopp-Brüdern, mit denen ich via Bahnbus zur Schule nach Osnabrück fuhr, was das denn für beste Musik sei. Die Tour ging dann diese und jene Abzweige nehmend bis in die Berge zu Hitzhausen, wo am freundlich gelegenen Bauernhof (Dieter B.!) die Strohballen ausgeteilt waren zum allumfassenden Ausjubeln. – Danach Plattensammeln, ab Midlifecrises YouTubeGucken. Danke Frank, Frank Zappa und seinen Orchestern! Und zuvörderst dem Konzert in Dortmund 1980.

8.11.2016
VOTE AMERICA – STAR SPRANGLED BANNER – CLUB DER 27
Wahre Geschichten (Sonderheft Sudelbuch) anläßlich der Trump-Wahl
In der Zeitung für Darmstadt, die von einem (politisch) abtrünnigen Spiegel-Redakteur und einer famosen Graphik-Designerin herausgegeben wurde, habe ich anfangs der 90er Jahre die schönsten meiner doch eher insgesamt wenigen Artikel zu Literatur, hessischer Lokalpoesie und gesamtpolitischer Polemik veröffentlichen dürfen. Selbst der Osnabrücker Schriftsteller Andreas Mand wurde in der Stadt der Lilien bekannt – und deshalb später Stadtschreiber in Minden. 😉 Tolle Bücher wie Haut ab, Innere Unruhen und Grovers Erfindung empfehle ich noch heute zu lesen. Und denke gerne an unseren Tag hinter meinem Ratsgymnasium in Richtung Moskau-Bad. Mein eigenes Buch, in Münster später veröffentlicht, hieß bescheiden 08/15, und es sollte bis heute keine Resonanz haben und kein weiteres sollte folgen.
Ein Jahr lang wohnte ich jedenfalls alleine – getrennt von der Wahlheimat und dem geliebten Mädel meines Herzens – in Darmstadt, in der Kiesstraße, nette Kneipe nebenan, nette Straßenbahn, und in der Elisabethstraße war der Eingang zum Darmstädter Punk. Fünf Tage die Woche mußte ich aber in die Hindenburgstraße, zur WB, um gegen den Verlag zu arbeiten mit eher neuen Büchern für ein modernes Programm. Weil ich eben Lektor der fortwesenden ehemaligen Ernst-Anrich-Fakultäten wurde – von mir hat Andreas Auth (Wiki!) damals Aufklärungsarbeit geteilt und gute zwölf Jahre später (!) doch verlagsoffiziell erzählt; unverantwortlich für das Gewesene von Geschichte, Soziologie und Lateinischem Mittelalter: ich. Ich tat fünf Jahre lang mein bestes, z.B. dies und das  lektorieren, aber loben möchte ich heute noch einzig die Herstellungsabteilung (Ferger!) mit ihren Jubiläums- und Geburtstagsfesten: Warmer Leberkäs mit frischem Brot und latürnich Wein & Bier und kleinen regionalen Leckereien. Die dort angeschlossene Korrekturabteilung war auch nicht ohne …
So ging das Leben in Hessen dahin, schnell war aber der Umzug über Otzberg (Matthias Altenburg! Konkret!) nach Frankfurt/Bockenheim klar: und die Liebe traf auch ein. – Ein neues Kapitel. Auch wenn ich noch mit meinem natürlich roten Lada die Ausfahrt Messe/West zur WBG nehmen mußte. Aber nicht mehr lange!

6.11.2016
Ein Wochenende mit neuer Ausstellung in der Kunsthalle am Hafenbecken und der Jahresausstellung der Ateliergemeinschaft Schulstraße sowie der Ausstellung einer Permanentperformance in der Kunsthalle Hawerkamp läßt schon wieder auf den Rundgang der Kunstakademie 2017 gegen Februar hoffen und auch den folgenden Sommer mit den Skulptur Projekten Münster 17. Jeden Rundgang seit 2001 in der neuen Akademie habe ich besucht, auch einige am vorherigen Standort. Und von jeder Skulptur Projekte seit 87 war ich begeistert. Anlaß, ein Video zu präsentieren, eins von vielen zu den Rundgängen der Kunstakademie zu Münster. Ich bin leider nicht drauf/drin. 😉

29.10.2016
„Der Streik“, Radziwills Gemälde von 1931, hängt im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster. Vorgestern habe ich es wieder mal gesehen, und stand staunend davor wie beim ersten Mal, in einem anderen Jahrhundert. Als Beifang gab der Museumsbesuch das Wissen, daß Rosemarie Trockel ihre beiden industriegefertigten Norwegerteppiche nicht einmal selbst auf die Rahmen gespannt hat. Die Idee ist das Werk, Minimal Art. Und immer noch meine Lieblinge die Informel-Maler, Emil Schumacher voran, 2. OG mit Blick auf den Dom.

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Es gibt eine Postkarte vom Streik, von mir hierhinfotographiert.

19.10.2016
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Ich formuliere, wie im Netz mir üblich geworden, meinen eigenen Wiki-Gedanken:

Rainer Kühn wurde am 25. Dezember 1960 in Ostercappeln geboren. Er machte in Osnabrück am Ratsgymnasium sein Abitur und studierte an der Westfälischen-Wilhelms-Universität zu Münster Germanistik, Geschichte, Philosophie und Erziehungswissenschaften.
Rainer Kühn ist ein deutscher Verlagslektor (WBG Darmstadt, Büchergilde Gutenberg, Westfälisches Dampfboot) und Journalist. Er schrieb zuerst bei der Deutschen Wochenzeitung/die tat, dann bei deren Nachfolger, der Ost-/West-Wochenzeitung Der Freitag über Kulturelles und Literatur. Über Rainald Goetz und Uli Becker schrieb er im Kritischen Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Als der kritischen Theorie verbundener Zeitdiagnostiker war er auch Beiträger in soziologischen Sammelbänden oder regelmäßig in der Pädagogischen Korrespondenz. In verschiedenen Zeitungen verfolgte er weiterhin sein Interesse an journalistischer Verwertung literarischer und historisch-politischer Themen. Er gründete im Jahr 2000 den Oktober Verlag zu Münster und Steinfurt, der im darauffolgenden Jahr sein Startprogramm mit vielen Autoren, mit denen er bis zu diesem Zeitpunkt  zusammengearbeitet hatte, vorlegte. Die Jahresgaben dab = das alte buch sowie das Sommerbuch sind von ihm installierte Marken der vor allem literarischen Buchproduktion, flankiert durch Essays der neuesten Zeitkritik aus Wissenschaft und Journalismus. Schon bald  zog sich Rainer Kühn jedoch aus dem Verlag und dem profitorientierten Preßwesen zurück. Die Gründe dafür liegen bis heute im Dunkeln. Wikipedia-Artikel zu den in Vorzeit (E. Bloch) Mitgründern seines Verlages, die zur Erhellung beitragen könnten, liegen bis heute nicht vor.

17.10.2016 Hermann Peter Piwitt „bei laufendem Gerät“:dscn9917

10.10.2016 Was machen eigentlich die Flüchtlinge heute?

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Die Verlagerung des wesentlich privatwirtschaftlich gelenkten öffentlichen Interesses durch wenige mehrheitlich familiär gesteuerte Mediengruppen von der im letzten Jahr als „Flüchtlingskrise“ benannten Situation zu diesjährigen Kaspereien wie Erdogans Meinungsfreiheitsauffassung oder dem Medienduell USA gegen USA läßt Fragen aufkommen: Wer wurde eigentlich Fußballeuropameister und warum möchte ich nicht mehr nach Sachsen, nicht mal mehr anläßlich einer Buchmesse oder zum Besuch des grandiosen Militärgeschichtlichen Museums?

28.9.2016
iferinnerungen

Ich erinnere mich an Parkas mit Che in Filzer hinten drauf.

Ich erinnere mich des ‚Schölers Pfeiffer‘ mit seinen drei Eff, ‚eins vor dem Ei und zwei danach‘.

Ich erinnere mich an das selbstgemalte Pappschild ‚Letzter Tramper vor der Autobahn‘, das auch nicht viel gebracht hat.

Ich erinnere mich an Arbeits– und Initiativgruppen. Frauen-. Männer-. Und Psycho-.

Ich erinnere mich an Thesenpapiere bis zum nächsten Mal, restringierten und elaborierten Kot, die AO und die AAO, das imperative Mandat und massenhaftes Kommen als Imperativ unten drunter.

Ich erinnere mich, daß ein Zirkel kein Wurfpfeil war, und zwar ein für allemal.

Ich erinnere mich an Wut und Trauer im praktischen Doppelpack.

Ich erinnere mich, daß es ja tatsächlich geheißen hatte, wir sollten uns die Erde rum-ta-ta machen.

Ich erinnere mich an den Muff von tausend Jahren. Und daß unterm Dirndl feste gejodelt wurde. Bloß was die Schotten drunter tragen, das wußte damals wie heute keiner so genau.

Ich erinnere mich an den Prager Frühling, den Summer of Love, den Deutschen Herbst und den Atomaren Winter.

Ich erinnere mich an geducktes Schweigen und hier und da perplexe Blicke: Ist das noch Literatur oder darf ich schon lachen?

Uli Becker, Alles kurz und klein. Erinnerungen wie am Schnürchen, 1990. – Aus Anlaß der akuten wie netten und auch Lachen machenden  Erstlektüre von Florian Illies Roman Generation Golf aus dem Jahre 2000 hier hinzitiert.

*****

17.9.2016: Heute war Bücherflohmarkt in Ahlen. Für zwölf Bücher habe ich nichts (nix) bezahlt. Peter Handke, Volker Kriegel, Ingeborg Bachmann, Helge Schneider, Ulrich Ritzel, Paul Auster, Kerstin Grether, Ferdinand von Schirach, Florian Illies, Michael Sowa, Regula Venske, Adler Olsen – für diese mitgenommenen Autoren hatte ich eine Gegengabe in der Tasche: ein paar zurecht ausgemusterte Bücher aus meiner Bibliothek. RW Ahlen rules ok! Regionales Lesen at it´s best.

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Jochen Gerz 1977 in Münster. Nach dem er 1968 in Wien die Kunst beschimpft hatte als korruptes Element der Gesellschaft wie alles andere auch, erklärte er hier mit seinem Stempel die Künstlichkeit = Medienwelt als bloßen ideologischen Filter des Menschenlebens. – Heute, 2016, sind die „Kids + die Alten“ schlechterdings desinteressiert.

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