„die Art der Literatur, die“

„Was wollte ich erzählen?
So, als hätte ich das je können: erzählen.
Die fetten, dicken, die schwitzenden Romane
zu mästen, die sprachlosen.
Mich ekelt vor ihnen.
Je kürzer, desto besser.“

Lebt in Hamburg und Castagnola/Umbrien, Italien.
War Mitglied der Gruppe 47, ist luzider Essayist.
Herz schlägt politisch links, seit 85 Jahren.
„Man hat den von feudalistischem und totalitärem Ideengut verseuchten Nationalgedanken zunächst einmal eingefroren, statt ihn zu korrigieren, und es ist zu befürchten, daß es stinkt, wenn es taut.“
„Es hilft nichts“, sagte der Schriftsteller 1993 vor dem Hintergrund seines deutschen Lebens, „entweder wir geben das Ideal auf oder die herrschende Praxis.“
Am 28. Januar 2020 wurde er 85 Jahre alt. NDR 90,3 hat ihn besucht und mit ihm unter anderem darüber gesprochen, wie ein Nobelpreisträger ihn einst beschimpfte.
Das Schreiben hat er seit einigen Jahren aufgegeben. 40 Jahre hat er in Eimsbüttel gelebt, mittlerweile wohnt er in Niendorf. Er geht im Niendorfer Gehege spazieren und mit seiner Frau ins Theater. Wenn er nun zum Geburtstag nochmal ein bisschen entdeckt würde, habe er nichts dagegen. Wenn nicht, wäre das auch in Ordnung. Er ist mit seiner Laufbahn im Reinen.

Die Erde ist flach. Darüber schließt sich eine Glocke. Wie in mittelalterlichen Domen ist ihre Wölbung innen ausgestattet mit Trost-, Erbauungs- und Andachtsbildern, Idolen und Legenden, über die der Internierte erfährt, wie er sich zu verhalten hat. Die Freiheit, mittels hochmoderner technischer Geräte sich entsprechende Zusatz-Informationen zu verschaffen, ist grenzenlos. Das Gefühl von Freiheit entsprechend unendlich. Wie im Leibnizschen System ist der Plan des Ganzen im kleinsten Gegenstand, im geringsten Lebewesen festgelegt, so auch im Schädelinnern, in den Neuronen eines jeden. Das Gewölbe ist dicht. Die bildnerische Darstellungen von Menschen, die daraus den Kopf herausstrecken, liegen lange zurück. Wer Geld hat, kommt zwar noch überall hin, aber nicht mehr raus.“
Otrotodnom – rückwärts gelesen mondo torto, it.: „verkehrte Welt“.

Es folgt noch eine Lesung vom Autor von 2001, nämlich die der „Üblen Geschichte“ aus seinem Episodenroman „Ein unversöhnlich sanftes Ende“, die in einer Cassetten-Edition des Verlags des Zeitgenossen München erschienen ist.

Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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