„Die Politiker tun nur das, was ohnehin geschieht“

likns

… und Abschlußparty im KOZ der Frankfurter Goethe-Uni mit der letzten Ausgabe, diesmal in rot

Wolf-Dieter Narr, der am Wochenende im Alter von 82 Jahren starb, war einer der großen linken Intellektuellen schon der westdeutschen Bundesrepublik. Obwohl er bis vor wenigen Jahren, als seine schwere Krankheit begann, unermüdlich publizierte, ist er auch dafür ein Beispiel, was nach 1990 in diesem Land verlorengegangen ist, als das vorher große Netz linker Theorien und Theoretiker zerbrach, in die PDS oder später die Linkspartei nicht hinübergerettet werden konnte und auch sonst keine politische Heimstatt fand. Dabei hatten Intellektuelle wie er schon sehr lange vor 1990 erkannt, dass Emanzipation à la DDR eine Sackgasse war.
Ja, das war schon klar, als er im 1969 gegründeten „Sozialistischen Büro“ samt der Zeitschrift links (Aus Schluß Vorbei 1997) mitarbeitete, wie neben ihm Oskar Negt, Elmar Altvater und andere, die ebenso heimatlos wurden. Dass er in Menschen wie Johannes Agnoli ein Vorbild fand, war bezeichnend: „Kommunist und Anarchist in einer Person“ als „die rare, aber aller Emanzipation notwendige Kombination.“
Mit Narr wollte ich Anfang der 90er als Verlagslektor ein Buch machen, fuhr also von Darmstadt nach Berlin, und es war ein interessanter und schöner Nachmittag im OSI. Aber das intendierte Buch kam nicht zustande, wohl vor allem deshalb, weil es in der nicht gerade sozialistischen WBG Darmstadt erschienen wäre. Schade, aber gut!
Wolf-Dieter Narr lehrte von 1971 bis 2002 als Professor für empirische Theorie der Politik am Otto-Suhr-Institut der Freiten Universität Berlin, berühmt geworden durch die 68er-Studentenbewegung. 1985 verzichtete er zusammen mit Peter Grottian auf ein Drittel seiner Professur, um damit eine Professur für Frauenforschung zu ermöglichen. Bei wichtigen Demonstrationen fehlte er nicht, so in den 1970er Jahren in Wackersdorf und Brokdorf beim Antiatomprotest oder 2007 in Heiligendamm bei den Protesten gegen das G8-Treffen.
[Alles bei Michael Jäger im Der Freitag]

Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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