Normal Null Vier

Wie es derzeit aussieht, wird der Vorfall für Tönnies jedoch keinerlei gravierende Konsequenzen haben – außer einer dreimonatigen Auszeit von seinem Amt als Aufsichtsratsvorsitzender, die er selbst gewählt hat. Der Ehrenrat des FC Schalke 04, der Tagesschau-Kommentator Kai Gniffke und weitere Rassismusexperten wie Huub Stevens, Sigmar Gabriel und Wolfgang Kubicki stellten explizit fest, dass Tönnies’ Aussagen nicht rassistisch gewesen seien. Tönnies entschuldigte sich nicht einmal bei jenen, die er mit seinen Aussagen direkt herabgewürdigt hatte.
Der ganze Vorgang ist aber auch aus einem weiteren Grund ­deprimierend. Ein Skandal zeigt, was eine Gesellschaft nicht akzeptieren will. Im Umkehrschluss zeigt er auch, was eine Gesellschaft ­eigentlich für ganz in Ordnung hält, für normal, für nicht der Rede wert. Tönnies betreibt den größten Schlachtbetrieb in Deutschland, mit einem Jahresumsatz von etwa sechseinhalb Milliarden Euro. Zahlreiche Medienberichte weisen darauf hin, wie schlimm die Zustände in Tönnies’ Schlachtbetrieb sind: Niedriglohn, Werkverträge, Subunternehmen, Gewerkschaftsfeindlichkeit, übelste Ausbeutung besonders von osteuropäischen Arbeitern und die heftige Umweltbelastung, die zu diesem Geschäft dazugehört. All das scheint kein Skandal sein, der für den Boss eines Profifußballclubs Konsequenzen hätte – weil es eben normal ist.

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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