K2A1

Der K2 ist der zweithöchste Berg der Erde und gilt unter Bergsteigern
als weit anspruchsvoller als der Mount Everest.
Adorno bevorzugte das Matterhorn und den Wolkmann.

„… das Matterhorn, Kinderbild des absoluten Bergs, wie wenn er
der einzige Berg auf der ganzen Welt wäre.“ (Adorno, Ästhetische Theorie)

Wolkmann: ein Berg, der Bild seines Namens ist, freundlich übriggebliebener Riese. Nun ruht er lange, breit gestreckt über dem Städtchen, das er von den Wolken grüßt.
(Theodor W. Adorno, Amorbach, in: Ohne Leitbild. Parva Aesthetica, 1967)

Lektorars > > > > > Amorbach ist der im bayrischen Odenwald gelegene Ferienort, in den es die Familie Wiesengrund regelmäßig zog. Das Hotel Post, der Berg namens Wolkmann, sie waren für Adorno mit Erfahrungen verbunden, an die er, nach eigener Auskunft, bis an sein Lebensende heranschrieb. Adorno hat jenen Ort immer wieder aufgesucht. Die Kindheit einzulösen, beschrieb er einmal als sein Programm. Das Buch „Kindheit in Amorbach“ besteht aus Texten Adornos, Notizen und Bemerkungen, vor allem aber aus dem Prosatext „Amorbach“, der in den Gesammelten Schriften bereits veröffentlicht war. Mit einer leicht surrealistischen Tendenz ist dieser Blick zurück auf den Ort gerichtet, den Adorno Zeit seines Lebens als Inbegriff der Kindheitsidylle betrachtet hat, getragen von der utopischen Sehnsucht, die sich mit dem kindlichen „Urvertrauen“ (Alexander Kluge) in die Welt verbindet. Er zehrt ebenfalls von einem spielerischen Zug in Adornos Denken, für den Kindheit ein Mittel zur Distanzierung von der schlechten Erwachsenenwelt war. Walter Benjamin mag hierin mit seiner Affinität zum kindlichen Blick Adornos Vorbild gewesen sein.
Adorno war wie kaum ein zweiter an den kulturellen Produktionen des 20. Jahrhunderts beteiligt. Die Liste seiner (nicht immer nur glücklichen) intellektuellen Beziehungen liest sich wie ein who is who der kulturellen Moderne: Bei Alban Berg hatte er studiert, Hanns Eisler, Bertolt Brecht und Fritz Lang zählten zu seinem engeren Umkreis im amerikanischen Exil, wo er mitunter auch bei Charlie Chaplin zu Gast war. Mit Thomas Mann verband ihn in Kalifornien eine enge Arbeitsbeziehung, ohne die der Dr. Faustus so nicht geschrieben worden wäre. Samuel Beckett und Paul Celan war er begegnet. Er stand in gutem Kontakt mit Marieluise Kaschnitz und Ingeborg Bachmann. Die Liste der Intellektuellen, die seinem engeren intellektuellen Milieu angehörten, liest sich kaum weniger eindrucksvoll: Walter Benjamin, Ernst Bloch, Siegfried Kracauer, Herbert Marcuse, Leo Löwenthal und allen voran Max Horkheimer – sie waren seine Weggefährten. Eine weitere Liste wäre anzuschließen – die Liste der Schüler, die von Adorno und dem kritischen Denken, für das er stand, geprägt wurden. Auch diese Liste wäre eindrucksvoll. Nur führte sie nahezu ins Unendliche. Adorno bildet einen Knotenpunkt der kulturellen Moderne, schon aus biographischen Gründen.

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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