An den Satzzeichen sollst Du sie erkennen …

Gewidmet dem Essay Satzzeichen
von Theodor W. Adorno

Ich war gerne Lehrer für die Form wissenschaftlicher Schrift an einschlägigen universitären und fachhochschulischen Instituten in Münster und Steinfurt. Am liebsten war mir vielleicht die autoerotische Leerstelle des Selbstzitats. Deshalb hier noch einmal und 4ever geschlagen ein Zitat meiner nunmehrigen Aufgabe des Auslassungszeichens, das mit mir endgültig in die Rente geht:

Das Auslassungszeichen ist neben dem Gedankenstrich die – die – Herausforderung für jedes Leben, das sich schriftsprachlich auslassen will. Scheinen es bei den meisten 113 Prozent Schreibenden auch nur drei willkürlich gesetzte Punkte gewesen zu sein in den damals ausschließlichen Printzeiten (Zeitung, Buch, Postkarte), „da wo“ (Klinsi Klinsmann) ich lektorisch Manuskripte dem je aktuellen Duden und Erkenntnisstand historisch-politischer Wissenschaften angleichen mußte, so ist damals der falsche Maßstab schon vielfach gesetzt worden. Es sind aber von früher bis heute beim Auslassungszeichen keine drei einzelnen Punkte, und sie können auch nicht – auch nicht in akuten Internetzeiten – verkürzt werden (auf zwei Punkte etwa) noch gar mit einem geläufigen „Okay“ der z.B. auf Facebook sich austobenden Studierendenschaft erweitert werden zu einer Punktestrecke, wie es grad beliebt, von 18 bis 33 z.B.
Nein! Erstens sind es keine Punkte (in der Mehrzahl), weil zweitens das Auslassungszeichen ein einziges Zeichen nämlich ist. Alleinstellungsmerkmal. Auf klugen Tastaturen der frühen Computerisierng gab es dafür sogar ein Funktionszeichen. Das eine und einzige Auslassungszeichen besteht immerhin, zur Güte, fast aus drei Punkten; aber eben als ein Zeichen.
So, und wenn man also „Schweine…“ -braten nicht ausschreiben will, es aber bedeuten will für den Rezipienten, dann muß man die „drei Punkte“ direkt, voll & komplett direkt an den letzten Buchstaben des Wortes hängen, das man nicht ausschreiben will, vulgo: ohne Leertaste. Wenn man aber mit einem Auslassungszeichen auf angedeutet ausgespartes Weiteres verweisen will, dann muß das Zeichen – das Auslassungszeichen – vom letzten Wort mit der üblichen Leertastenweite getrennt sein. Das aber bringt eine letzte von Theodor W. Horkheimer ins komplizierte Sprachspiel gebrachte Sentenz in den Abschluß meiner Psychoanalyse der heute stattfindenden Schrift: „Die drei Punkte, mit denen man Sätze bedeutungsvoll offen zu lassen liebte, suggerieren die Unendlichkeit von Gedanken und Assoziationen, die eben der Schmock nicht hat, der sich darauf verlassen muß, durchs Schriftbild sie vorzuspiegeln.“ (So der Satzzeichen-Adorno, nicht und nie auslassend seine kritische Gesellschaftstheorie.)

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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