Muntermacher Wahrheit v Ideologie

Mein Medikament? Zitat an Zitat ohne Auslassungshinweise: Der designierte Gesundheitsminister Jens Spahn ist ein besonderer Patient. Bereits seine Kinderkrankheiten ließ er mit erzkonservativen Therapien kurieren. Keiner ist den gruseligen Anforderungen des Amts so gewachsen wie der riesige, leblose Mann mit der Bestatterbrille und der Mimik einer frisch exhumierten Moorleiche. Damit ist der 37-Jährige, der sich zuletzt als Finanzstaatssekretär um notleidende Banken und faule Kredite verdient machte, endlich an seinem Bestimmungsort angelangt. Bereits seine Herkunft prädestinierte Spahn zum Krankheitsexperten, ja zum Krankheitsguru unter den nationalen Klinik- und Komakoryphäen. Geboren und aufgewachsen im nördlichen Westmünsterland, einer der kränksten und katholischsten Gegenden des Landes, in der es oft wochenlang ohne Unterlass regnet und die Kinder reihenweise von Schnupfen hingerafft werden, setzte sich der junge Spahn dank seines hervorragenden Immunsystems gegen alle Erreger und die meisten seiner Mitschüler durch. Was ist von Spahn als kommendem Minister zu erwarten? Kenner des politischen Berlins sehen vor allem drei Tätigkeitsfelder: Spannend bis zum Schluß! 

TitanicTitelScreenGeist

Und dies berichtet gerade das Porttieftal web.de: Mit Hartz IV habe „jeder das, was er zum Leben braucht“. Für diese Aussage muss sich der CDU-Politiker Jens Spahn deutliche Kritik von Kollegen verschiedener Parteien gefallen lassen. Jens Spahn (CDU) befeuert die Debatte um Armut in Deutschland: „Niemand müsste in Deutschland hungern, wenn es die Tafeln nicht gäbe“, hat er am Wochenende in einem Interview mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe gesagt. Mit Hartz IV habe „jeder das, was er zum Leben braucht“. Hartz IV bedeute nicht Armut, sondern sei die Antwort der Solidargemeinschaft auf Armut. „Mehr wäre immer besser, aber wir dürfen nicht vergessen, dass andere über ihre Steuern diese Leistungen bezahlen.“ Aus der Opposition und selbst aus den eigenen Reihen hagelt es für diese Aussagen Kritik. Die Linke im Bundestag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gar aufgefordert, Spahn anders als geplant nicht zum neuen Gesundheitsminister zu machen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Jan Korte, sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: „Wer in diesen Zeiten derart kaltherzig und abgehoben über die Armen und Schwachen in dieser Gesellschaft redet, sollte von sich aus auf das Ministeramt verzichten.“ Selbstkritik und Einsicht sei bei Spahn aber nicht zu erwarten. Deshalb solle die Kanzlerin darauf verzichten, ihn zum Minister zu machen. Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Montag): „Hartz IV mutet Eltern zu, ihre Kinder für 2,70 Euro am Tag zu ernähren. Wenn gutverdienende Politiker wie Herr Spahn meinen, das sei keine Armut, sollten sie sich vielleicht mal mit einer Mutter unterhalten, die unter solchen Bedingungen ihr Kind großziehen muss.“ Grünen-Chef Robert Habeck warf Spahn in der „Bild“-Zeitung (Montag) vor, sich „überheblich“ und „arrogant“ geäußert zu haben. „Es gibt einfach Bereiche, wo wir sehen: Trotz Hartz IV geht es den Menschen nicht gut“, widersprach (!) SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil Jens Spahn. An diese Bereiche wolle die Große Koalition ran. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer warnte im ZDF davor, dass Menschen „die wie er oder ich gut verdienen, versuchen zu erklären, wie man sich mit Hartz IV fühlen sollte“. – Jetzt ist wiedereinmal der Sack Reis gesamtpolitpalavernd umgefallen, von dem eine Hartz-IV-Großfamilie ein Jahr lang hätte leben können! Aber die Feinstaubluft zum Atmen gibt es ja weiterhin gratis!

 

Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Kunst & Buch, Stalingrad, Zeitdiagnostik abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Muntermacher Wahrheit v Ideologie

  1. Lo schreibt:

    Tja, daher wohl der Ausspruch, „einen Spa(h)n locker zu haben“

Schreibe eine Antwort zu Lo Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s