Sonneborns Rückschau auf den Trainerwechsel

Sind Sie stolz ein Osnabrücker zu sein? Oder schämen Sie sich für die Versuche der Stadt, wenigstens ab und an mal überregional aufzufallen?
Aus der Ferne betrachtet, relativiert sich das alles. Übrigens bin ich kein gebürtiger Osnabrücker; aufgewachsen bin ich hier schon, aber geboren wurde ich in Göttingen. Was nicht heißen soll, dass ich dereinst die Ehrenbürgerschaft ablehnen werde. Osnabrück ist eine schöne, ruhige, westdeutsche Kleinstadt, in der man seine Jugend verbringen kann. Während ich behütet in Osnabrück aufwuchs, haben Jugendliche in Neukölln Brückenzoll von Gleichaltrigen erhoben. Da wurden Schulkinder mit dem Gebiss auf die Bordsteinkante gelegt und entkamen einem Nackenschlag nur gegen Zahlung von 50 Pfennigen. Osnabrück ist eine Stadt, in der man gut aufwachsen kann und die man dann verlassen sollte, um irgendwo Brückenzoll zu erheben.

Gemessen an den Erfolgen herrscht in Osnabrück eine verblüffend hohe Identifikation mit dem VfL. Geht Ihnen das genauso?
Ich beobachte ihn interessiert. Mich haben die 80er Jahre geprägt, in denen es der VfL es einmal geschafft hat, Bocholt zu besiegen und einen Abend lang auf Platz eins zu stehen. Begeistert hat mich damals neben dem Zweitliga-Torschützen-König Horst Feilzer besonders ein Mann, und zwar Detlef Olaidotter, einer der lustigsten Spieler, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe. Schon seine blonde Dauerwelle flog stets sehenswert. Aber er hat auch lustig gespielt: Er war Stürmer, neben Horst Feilzer; Feilzer hat alle Tore geschossen und Olaidotter keine. Er konnte nämlich nicht Fußball spielen. Er ging immer nur auf die Eckfahne zu und spielte sich und den Gegner schwindelig. Trotzdem hat er das Tor des Jahrhunderts geschossen. Es ist leider nicht aufgezeichnet worden, sonst wäre der Mann weltberühmt. Er hat bei einem Flugkopfball den Ball verfehlt – wie so oft –, hat sich dann nach hinten umgedreht und musste voll Erstaunen mit ansehen, wie seine eigene angewinkelte Hacke aus Versehen den Ball traf und ins Tor beförderte. Ewig unvergesslich sind mir: erstens dieses Tor und zweitens Olaidotters Gesichtsausdruck dabei.

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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