Ist doch alles supergut!

Eine ausführliche Rezension von Joachim Hirsch in der Frankfurter Rundschau erinnert an in ein paar unzugänglichen Nischen abgelegtes Wissen profunder Gesellschaftskritik:

Eine markante Ausdrucksform dessen, was Ulrich Brand und Markus Wissen „imperiale Lebensweise“ nennen, offenbart sich, wenn Mann oder Frau im Rohstoffe und Sprit fressenden SUV (Sports- and Utility-Vehicle) zum Biobauern fährt und zugleich ein gediegenes Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein zeigt. Der Begriff verweist darauf, dass das alltägliche Leben in den kapitalistischen Zentren nur durch den unbegrenzten Zugriff auf die Rohstoffe, das Arbeitsvermögen und die Ökosysteme in der Peripherie ermöglicht wird – mit der Folge, dass sich dort Gewalt, Entwurzelung, Hunger, Seuchen, Epidemien, ökologische Zerstörung und politisch-gesellschaftliches Chaos ausbreiten.
Die „imperiale Lebensweise“ beruht auf einer Art gesellschaftsstabilisierendem Kompromiss zwischen den Interessen der Herrschenden und breiteren Schichten der Bevölkerung. Die sie kennzeichnende Art des Produzierens und Konsumierens ist tief in das allgemeine Bewusstsein, die alltäglichen Verhaltensweisen und die Subjektprägungen eingeschrieben. Sie beruht darauf, dass ihre zerstörerischen Folgen auf andere Regionen der Welt verlagert werden.
Diesen Zusammenhang anzusprechen ist zwar nicht ganz neu, in der politischen Debatte und im allgemeinen Bewusstsein spielt er allerdings bestenfalls eine Nebenrolle. Das Verdienst der Autoren besteht darin, die damit verbundene Problematik weit ausgreifend, theoretisch gut begründet und mit empirischem Material unterlegt aufzuzeigen.

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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2 Antworten zu Ist doch alles supergut!

  1. Manfred Voita schreibt:

    Klingt für mich so, wie es schon immer klang. Fang bei dir selber an, ändere dich und die Welt ändert sich. Dann können wir auch gleich zum Buddhismus wechseln.

    • rainer kühn schreibt:

      Klar, ich würde auch lieber Revolution machen. Am Dalai-Lama-Stein der naiven Friedenheinis Aaseeufer sitze ich oft und denke, sowas dürfte es im aufgeklärten Münster gar nicht geben! – Aber der 68er-Politikprofessor Joachim Hirsch, der sich in der Zeitschift links die Finger wund geschrieben hat, hat in seiner Pension immerhin ein Buch entdeckt, das unser aller Imperiale Lebensweise gesättigt beschreibt. Westfalen satt, Welt? Hungerhilfe.

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