Bierskulptur Jeff

getanzt und getrunken
gedrungen gespritzt
Skulptur schon gehackt
gebaut und geschaffen
mit dir Bier und mir Bier

Rainald Goetz, Jeff Koons
Suhrkamp 1998, S. 30

„Es geht um das Nachdenken und darum, was es heißt, ein Mensch zu sein. Es ist ein sehr hoffnungsvolles Werk“, sagte ‚Ich heiße Jeff‘ Koons zu der aufblasbaren 14 Meter hohen Skulptur, die bis zum 2. Juni am Rockefeller Center zu sehen ist. Schau Seated Ballerina!

DSCN2803Bei den Skulptur Projekte Münster 87 machte Jeff Koons sein erstes Readymade im öffentlichen Raum. Steht heute im Guggenheim Bilbao. Im Katalog von damals hieß es etwa: „Der Kiepenkerl ist Allgemeingut, ein perfekter Boden für meine Kunst. Ich gestalte das Objekt um, rematerialisiere es und nehme ihm seine Seele. Einmal entseelt, fungiert das Objekt als Reflexionsbecken der Gesellschaft … Der Mensch verlangt nach der einfachsten Definition seiner selbst. Die spiegelnde Oberfläche läßt die Seele entweichen … Zurück bleibt, unter der Oberfläche, die Erniedrigung … aber der Laie sieht ein Ansteigen unerfüllter Wünsche, die jetzt erfüllt sind.“

Geradezu tückisch aber hat der Amerikaner Jeff Koons den Münsteranern ihr liebstes Denkmal, den „Kiepenkerl“, weggenommen. An der Stelle des treuherzig-ländlichen Marktbesuchers aus Bronze steht jetzt ein seelenloser Golem: ein formgetreuer Abguß vom Original, einzig durch die blinkende Oberfläche polierten Stahls (Koons: „Eine Scheinfassade von Luxus“) als Doppelgänger zu identifizieren.

Nur als ironisches Zitat scheint den meisten „Projekte“-Machern eine Denkmalskunst im Stadtbild noch möglich zu sein. Sie setzen kritische Apercus, ortsbezogen auch in Innenräumen. (Der Spiegel, 22.6.1987)

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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2 Antworten zu Bierskulptur Jeff

  1. Manfred Voita schreibt:

    Koons ist immer wieder ein Aufreger. Aufblasbar, ja, das hat schon was. Und Hochglanz ganz sicher, was passte besser in unsere Gesellschaft?

    • rainer kühn schreibt:

      Ich finde es phantastisch, eine Minifigur, Porzellan, eine wirklich schöne Entzückung fürs Dekorative aufzublasen zu einer 14 Meter hohen „Skulptur“ eben aus Luft! Nix mehr Bronze-Rodin, nix mehr antike steinerne Halbgötter, nicht mal mehr Beton- oder Stahlgrößen der Neuzeit. Eine Luftnummer. – Darauf ein Herrliches Herforder! 😉

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