Heute ist always super ultra Showtime

Wenn aber die werten Rezipientinnen und Rezipienten
nicht einmal Fernsehwerbung halbwegs plausibel entschlüsseln können –
wie soll es dann je mit Satire funktionieren?

Seit längerem muß ich mit wachsender Grummeligkeit feststellen, daß den jungen Leuten mehr und mehr die Satirefähigkeit verlorengeht. Diesen Befund darf man gern als Mentzsche Altersgrille abtun, zumal er aufgrund der Allgegenwart von Satire verwundern mag. Ich möchte elaborieren: Satire in ihrer modernen Form, nämlich als massentaugliche Wohlfühlpackung, verlangt dem Konsumenten nichts mehr ab. »Extra 3«, »Last Week Tonight« & Co., so unterhaltsam und verdienstvoll sie bisweilen sein mögen, kommen fast gänzlich ohne Überraschungen, ohne Ambivalenz, ohne Brechung daher, geben lieber den Erklär- als den Tanzbären und sind letztlich: nicht satirisch. Daß die Meinungen der Zielgruppe in der Regel bestätigt werden, ist schade: Jene Kompetenzen, die man z.B. einst der Leserschaft meines Hausblattes unterstellen durfte, scheinen nicht mehr gefragt zu sein. Das Jungvolk verfügt nur noch über Beißreflexe, erzürnt sich beispielsweise zu Recht über rassistisches Vokabular, tut dies aber auch, wenn es auf zweiter, dritter Ebene geschieht, etwa in parodistischer Form, um die Sprache des, nun ja, Feindes überhaupt offenzulegen. Context is king, boys’n’girls! möchte ich da rufen …

ALLES(!) in einer Humorkritik, der ich neben dem Zitierten die Gisela Elsner besonders anfügen möchte als … ja, als was eigentlich, als westwestfälischer heiter hassender Kommunist, dem 1979 im Partykeller der Eltern eines Schulfreundes die absolut erste und Premierentitanic mit Folgen bis heute in die Hände fiel?

elsner

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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