Pollock im Iran – Tränen der Freude

Krimis und Kinofilme werden in der ARTE-Mediathek durchschnittlich über fünfzigtausendmal angeschaut, Musiksendungen noch zahlreicher angeklickt. Für Kunstinhalte stürzt das zählbare Interesse jäh ab. Was an zeitgenössischer Kunst des Westens seit Schah-Zeiten in Teheran schlummert und fast in Berlin jetzt aufgewacht wäre, interessiert bisher genau 1448 Menschen.
Es ist die größte Sammlung zeitgenössischer Kunst außerhalb Europas und den USA. Ihr Aufenthaltsort: der Keller des zeitgenössischen Museums in Teheran, dem TMOCA. Kaum ein Iraner hat diesen Kunstschatz je sehen können, der vor 40 Jahren auf Initiative der damaligen iranischen Kaiserin Farah Diba erworben wurde. Er sollte Anfang des Jahres in der Gemäldegalerie in Berlin gezeigt werden. Außenminister Steinmeier hat sich hierfür eingesetzt, die Islamische Republik ließ sich zunächst auf diesen Kulturaustausch ein. Es sollte ein Austausch werden: 30 iranische Künstler, 30 aus dem Teheraner Museumskeller. Nicht nur Andy Warhol und Jackson Pollack würden in Berlin gezeigt, auch iranische Künstler wie Parvis Tanavoli, der bekannteste iranische Bildhauer. Moderne und Gegenmoderne, wozu gehört der Iran? Zu Schah-Zeiten wollte der Iran um jeden Preis Teil des Westens sein. Mit Petrodollars erkaufte man sich die Partnerschaft. Am Tag der Eröffnung des TMOCA, dem Geburtstag von Farah Diba, tanzten avantgardistische Performance Künstler durch die spiralförmigen Gänge des Museums. Eine Elite zelebrierte die Moderne, ihr standen 45 Prozent Analphabeten im Land gegenüber. Nach der Islamischen Revolution 1979 wurde die nicht-islamische Kunst weggesperrt. Künstler verließen das Land. Der Schatz aber überlebte, bis heute gehütet vom ehemaligen Fahrer (!) des Museums, der über die Jahrzehnte kunstkundig gemacht macht als Wächter des Kunstkellers.
Kamran Diba, Cousin der damaligen Kaiserin, war nach seinem Studium inNew York der erste Museumsdirektor und Architekt des TMOCA. Er sagt: Es ist die Geschichte um die faszinierende und komplexe Beziehung zwischen dem Iran und dem Westen, die diesen Kunstschatz umhüllt und heute wieder ans Tageslicht bringt.
Der Machtkampf vor den iranischen Präsidentschaftswahlen im Mai und das Intervenieren der dortigen Hardliner gegen die Politik der Öffnung von dem moderateren Präsidenten Rohani führen zur plötzlichen Absage der Ausstellung. Berlin wird die Bilder vorerst nicht zeigen, so die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Organisator der Ausstellung. (Min. 28ff.)
Die Diskussion um die Ausstellung der Sammlung in der Gemäldegalerie in Berlin hat vieles an die Oberfläche gedrängt: das Misstrauen iranischer Kulturschaffender gegen das System der Islamischen Republik. Den Kampf dieser gegen Relikte aus der Vergangenheit, die Suche nach der eigenen Identität und letztendlich die Emanzipation vom Westen. Das alles liegt im Moment mit auf den Schultern der Kunst.
Die Dokumentation der ARD-Iran-Korrespondentin Natalie Amiri enthüllt den verborgenen Schatz, – wunderbare Bildsequenzen – lässt die Beteiligten von Kamran Diba bis hin zum Fahrer (Min 24ff.) seine Geschichte erzählen und zeigt bislang unveröffentlichtes Material von der Museumseröffnung 1977. Vorerst wird der Zuschauer nur durch den Film den Kunstschatz im Keller des Zeitgenössischen Museums zu sehen bekommen. – Allein wegen sieben Sekunden Pollock ein Glück!
Regie: Natalie Amiri Land:Deutschland Jahr:2017 Herkunft: BR/ARTE

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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