Dresden vor dem Bus III

Drei Busse und ein wenig Hass

Dass die Dresdner nicht wissen, was sie an ihrer kulturellen Vielfalt haben (Gemäldegalerie Alte Meister, Staatlichen Kunstsammlung, Albertinum, Galerie Neue Meister und und und), ist natürlich gelinde gesagt ein wenig schade. Kultur, und damit einhergehend auch Kunst, sind schließlich der einzige Grund, warum Touristen aus aller Welt die Stadt besuchen. Dass jedoch einige Protestierende bei der gestrigen Eröffnung der Installation “Monument” des Künstlers Manaf Halbouni, der seit vielen Jahren in Dresden lebt und arbeitet und an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden als Meisterschüler bei Eberhard Bosslet im letzten Jahr sein Zweitstudium abschloss, schrien man sollte diese “entartete Kunst”, diesen “Müll” aus ihrer Stadt entfernen – das ist ein anderer Fall. Das ist keine persönliche Betrachtung von Kunst, das ist bewusste Verwendung der nationalsozialistischen Sprache, die zu Vertreibung und Mord der damals unerwünschten Künstler führte.
Die Installation, bestehend aus drei ausgedienten Bussen, erinnert an das ikonische Foto der als Straßenbarrikade und Schutz aufgestellten Busse 2015 im noch immer stattfindenden Krieg Syriens. Bereits auf den damaligen Fotos ließ sich die überwältigende Größe der Fahrzeuge erahnen, die das dahinterliegende Wohngebiet vor Sniperangriffen und Schusswechseln schützen sollten. Die drei Busse auf dem Platz vor der Frauenkirche, die zwei Monate lang ausgestellt sein sollen, geben dieses Bild an den Betrachter weiter. Ein Monument eben. Was haben die Dresdner nun gegen die Busse? Zum einen nimmt man fälschlicherweise an, “der Steuerzahler” zahle für “diese Dinger”. Die ausgedienten Busse wurden lediglich auf Stahlrahmen montiert. Der in Damaskus aufgewachsene Künstler selbst hat auf ein Honorar verzichtet. Das Projekt selbst wird getragen von verschiedenen Kunststiftungen. Kurzum: Es kostet den Dresdner rein gar nichts. Warum sich dennoch daran stören? Weil man keine Lust hat, an Syrien erinnert zu werden? Weil der Krieg so bequem weit entfernt ist? Weil Syrer nicht in Dresden leben sollten? Das zumindest meinten einige der Plakate der Protestierenden. Der Künstler solle seine “Kunst” in Syrien machen und nicht in seiner Wahlheimat und damit an seinem Arbeitsort.

Enthemmte Dresdner und vergessene Geschichte

Die enthemmte Masse hat keine Argumente für ihre Ablehnung. Sie kam teils nur, um laut zu sein, um mehrfach in Kameras zu sprechen, man sei hier nicht rechts, aber das da sei keine Kunst und der Syrer solle nach Hause gehen. Natürlich wissen die Menschen es selbst besser. Sie wissen ja, woher sie den Begriff der “entarteten Kunst” entnommen haben, nämlich aus dem Geschichtsunterricht, als sie von den jahrelang immer wieder neu bestückten und erweiterten Ausstellungen der Nazis erfuhren. Und genau diesen Kenntnisse sollten sie auffrischen. Für alle, die nicht sattelfest in der Geschichte der NS-Zeit sind, empfehle ich die Lektüre von Wolfgang Benz’ “Geschichte des Dritten Reiches”, erschienen bei C.H. Beck. Das Buch hat viele Illustrationen und ist für Laien verständlich geschrieben. Und es spricht auch den Bereich der Künste an und wie das Bild von der “entarteten Kunst” zum Menschenhass der Epoche, dem Holocaust und dem Zweiten Weltkrieg beigetragen hat, wer es verbreitete und weswegen.

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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