Die Bundesliga-Büchse der Traditionsvereine

„Ich begrüße im schönsten Stadion der Welt die besten Fans der Welt. Ich begrüße die Fans von Borussia Dortmund“, brüllt Norbert Dickel in sein Mikrofon. Der Stadionsprecher des BVB sollte ernsthaft darüber nachdenken, diese Ouvertüre bis auf weiteres in die Mottenkiste zu packen. – Meint nicht zu unrecht die Frankfurter Rundschau. Wobei: das sagen so ähnlich alle Stadionsprecher: schönstes Stadion, beste Fans. Sonst würden sie bei der Verfassung der Fans auch bedrängt werden.

Denn es kann in diesem einen besonderen Fall nicht beschwichtigend die Rede davon sein, es handele sich lediglich um eine Randgruppe von Chaoten, die Straftaten im Schutz der Masse verübt. Diesmal war es die Masse selbst, die auf der riesigen Südtribüne der Dortmunder Arena Abneigung in Hass münden ließ.
(Jan Christian Müller, FR)

Die „Gemengelage“ der falschen Kritik an RB Leipzig ist eben platt der reaktionäre realitätsverweigernde Vorwurf: nur Kommerz in Leipzig, falsches Geld von Matteschitz, aggressives Marketing von Red Bull, unschuldiger Fußball kaputt: alles mit antisemitischem Unterton. Gut sei nur die Tradition ab Eff Zeh und gerne älter (die selber an Kommerz, Event, Geld, Vermarktung sich lange vor Hoffenheim und Leipzig verkauft hat und an den ewig dummen Fansprüchen leidet). Aber: Gut vs Böse, anders ist Fußball nicht an den Mann auf dem Stehplatz (wo die selbsternannte Fan-Elite singt) zu bringen.
Diese reaktionäre Fußball-Kritik entspringt den Kurven und Blöcken, Vereinsvordere machen nur sich anbiedernd mit, denn die öffentlichkeitsrelevanten Fangruppen sind wichtig. „Kommerz“ und „moderner Fußball“ sind die Schlagworte gegen andere Vereine, die überwiegend auch im Fadenkreuz stehen (Ausnahme bei meist zufallsgenerierten sog. Fanfreundschaften). „Söldnertruppe“ heißt es, wenn der eigene Verein zu wenig Regionalpatriotismus bei Transfers zeigt.
RB Leipzig als Hassobjekt, weil der auch noch beispiellos erfolgreiche Verein als Symbol (bzw.: Sündenbock!) für die Kommerzialisierung des Fußballs herhalten muss, obwohl ALLE Bundesligavereine Konzerne (und z.T. bis in die Regionalligen hinein) sind, in denen es nur um Unternehmenspolitik und Profit geht. Der Inhalt, Fußball, ist wirklich zur Nebensache geworden, beliebige Ware des Unternehmens. Die Forderung „Gegen den modernen Fußball“ ist eine reaktionäre, weil sie implizit einen traditionellen „Volkssport“ verherrlicht, den es so nie gegeben hat. Verlogen ist das.
Das Problem ist in dieser „Diskussion“ die Idolatrie um die sog. Tradition. Gut gegen böse, Traditionsverein gegen modernen seelenlosen Fußball; lachhaft. – Mit Slogans aus den Kriegen der Welt: „Kämpfen und siegen“ – bis zum Erbrechen.
Als an der Bremer Brücke das DFB-Pokalspiel beim Stande von 1:0 gegen RB Leipzig wegen eines Feuerzeugwurfs abgebrochen wurde, war lange vorher eine Stimmung im Fanwesen erzeugt worden, die mit falschen Argumenten offenbar enthemmend wirkte. Schade.
Und: Die 50+1-Regel wird fallen, weil gerade die nichtkapitalisierten e.V.s im Profibereich sich schon lange im strafbaren Raum bewegen. Ein eingetragener Verein darf streng genommen nicht einmal an einer verkauften Bratwurst verdienen. Und die Bundesliga wurde 1963 eingeführt, um das gängige Schwarz- und Handgeld in zivile Formen des Kapitalflusses zu gießen. Außerdem waren Italien und Spanien schon weiter im fürs Kapital interessant gemachten Volkssport.
Die falsche nicht kapitalismuskritische Kritik an TUS 1899 Hoffenheim oder Rasenballsport Leipzig hat mich selbst meinem Verein – dem schönsten mit dem besten Stadion 😉 –  entfremdet, wo die Fans auch oberflächlich gegen Kommerz sind, aber jeden Scheiß im Shop mitmachen; und auch die Ausgliederung (!) der Fußballabteilung in eine KommanditGesellschaftaufAktien. – Da kritisiere ich lieber gleich den Kapitalismus oder nur den Rumpelfußball auf dem Rasen. Die sog. aechten Fans machen bei Beibehaltung falscher, verkürzter, reaktionärer Kritik eigene Shopware (T-Shirts, Kleber, Infoblätter, Blogs) und verachten den offiziellen Scheiß, kommen aber immer (Dauerkartensymptom) und sind die ganze Woche im Fieber. – Auch eine Form des großen prinzipiellen Einverstandenseins.
Je nun: Freitag gehts gegen Mainz II. Mythos Flutlicht Bremer Brücke.

*********************************************************

LILAWEISSER NACHTRAG ZUM DEUTSCHEN FANTREFF

Die dünne, durch Webmaster Jürgen (Name der Redaktion bekannt) mit der „Antisemitismuskeule“ autoritär abgewürgte – nur von einem, mir bekannten, Speichellecker vollends mitgemacht – Diskussion spricht die Bände einer Fankultur, die ich eben auch deswegen inzwischen für gefährlich halte und verlassen habe. Na, dem bremerosna drücke ich aber doch die Daumen!

malhalblang   Artikel 739403   Montag, 6. Februar 2017 19:31
ganz Deutschland spricht über die ekelhaften Vorfälle vom Samstag in Dortmund. In diesem (Fußball)Forum ist – außer meinem knappen Beitrag von gestern – kein Wort zu lesen. Hier wird doch sonst auch zu jedem Furz, der in Münster oder sonst wo gelassen wird, Stellung genommen. Ich bin ehrlich gesagt etwas verwirrt. Und schließlich haben wir auch eine gemeinsame Vergangenheit mit RB Leipzig (Feuerzeug).
Auch wenn die Meinung zu den Vorfällen eindeutig ist, stände es diesem Forum m. E. gut zu Gesicht, diese zu äußern.

früher-allwetterfan-jetzt-durchschnittsfan   Artikel 739407   Montag, 6. Februar 2017 20:12
@malhalblang
Und, was soll es bewirken, wenn sich ein paar „anonyme Internetfuzzies“ auf lilaweiss.de von den ekelhaften Vorfällen in Dortmund distanzieren?

bremerosna   Artikel 739436   Dienstag, 7. Februar 2017 15:21
Zwei Links
Guter Artikel zum Thema RB
Auch interessant, wenn auch auf VICE

webmaster   Artikel 739439   Dienstag, 7. Februar 2017 18:27
@bremerosna: Ich schreib hier ja eigentlich nie selbst, aber den Artikel da zu RB ‚gut‘ zu nennen fordert doch Widerspruch. Die Argumentationsketten, mit denen im Artikel (unter Auswertung von grad mal vier Quellen) eine angebliche Sehnsucht des Fußballfans nach ‚Heimat‘ in seinem Verein als Ausprägung des ‚Lebensraum im Osten‘-Programm der Nazis bezeichnet wird, um anschließend sowieso die ganze Kritik an RB zu Antisemitismus umzudeuten ist sowas von abenteuerlich. Ich find das einen sehr platten (dabei gleichzeitig in sehr viel Geschwurbel gepackten) Versuch, die Kritik an RB mit der Antisemitismuskeule zu beerdigen.

bremerosna   Artikel 739442   Dienstag, 7. Februar 2017 19:25
@Webmaster
Gut finde ich vor allem die etwas andere Betrachtungsweise.
Und ja, es ist polemisch und auch nicht ganz richtig jedem gleich ein reaktionäres Weltbild oder Antisemitismus vorzuwerfen, hier sollte man sich vielleicht mit dem der Entfremdung im Sinne von Marx auseinandersetzen.
Dennoch krankt die „Kritik“ an RB an allen Ecken und Kanten und es gibt Parallelen zu reaktionären Bewegungen und vor allem Antisemitischen Denkmustern. Mir ist es etwas zu wenig zu sagen der Inhalt ist nicht gut und die Antisemitismuskeulekeule auszupacken (Es sind übrigens 5 Quellen)
Alleine dieses unsägliche „Rattenball“ verursacht Kotzreiz und die völlig unreflektierte „Kritik“ sowie die einfallslosen Aktionen der aktiven Fanszenen (Ausnahme HB und FFM)sind eben viel zu Anschlussfähig (zB. bei Nazis – besonders bei Ostklubs) um zielführend zu sein. Hier gilt es eine vollumfängliche Aufklärung zur Thematik durchzuführen, das Vermeiden von verkürzter Kapitalismuskritik und vor allem sich in erster Linie um die negativen Einflüsse des Kapitalismus bei „seinem“ Verein, seiner GmbH, seiner AG zu kümmern und diese zu analysieren und ggf. zu kritisieren, ganz ohne doppelte Standards, dämonisieren und delegitimieren (vgl. 3D Test, Antisemitismus)
Nicht falsch verstehen, ich mag RB nicht besonders oder die Idee die dahinter steht, ich bin auch kein Kind von Traurigkeit und habe mich auch im Umfeld von Stadien in der Vergangenheit nicht immer gut/konform benommen, aber wohin die „Kritik“ führt (Und es ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht!)sah man sehr gut am letzten Wochenende. Diese Ruhrpottkevins, die da Flaschen auf Trikotträger werfen, kritisieren nicht, sind keine Kritiker, fühlen sich aber als solche: und das ist eben Teil des Problems.

früher-allwetterfan-jetzt-durchschnittsfan   Artikel 739443   Dienstag, 7. Februar 2017 20:16
Im deutschen Fußball gibt es leider etliche Baustellen in puncto braune Soße, da kann man gar nicht aufmerksam genug sein und aktiv genug werden.
Aber wenn irgendetwas an den Haaren herbeigezogen ist, dann ist das diese Antisemitismus-Schwurbelei in Sachen RBL-Kritik. (…) Trotzdem lasse ich mir nicht meinen Mund verbieten, was die abgrundtiefe Verachtung für das Leipziger Fußballprojekt angeht. (…)
@webmaster
Es würde diesem Forum durchaus gut tun, wenn Du dich in diesem Stil öfter mal selbst inhaltlich zu Wort melden würdest. Dass ein Moderator nahezu komplett außen vor bleibt und sich nicht in die Meinungsbildung einbringt, halte ich nicht für zwingend erforderlich.

Klingone   Artikel 739447   Mittwoch, 8. Februar 2017 12:22
@RB- Diskussion:
Das Fatale an diesen Dortmunder Chaoten ist, dass sie die sachliche Auseinandersetzung mit dem „Verein“ RB Leipzig ad absurdum geführt haben. Durch deren Aktionen sind die guten und vernünftigen Banner und die anderen Aktionen in der Südkurve überhaupt nicht in der Presse oder dem TV erwähnt worden.

***Und? Das war die ganze Diskussion!***

Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Fußball!, Zeitdiagnostik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s