Kopf oder Leidenschaft – ein marxsches Gesellschaftsspiel

„Wir leben ja in Zeiten, wo die Linke geschwächt ist,
wo auch Menschen, die in irgendeiner Weise interessiert sind
an besseren Verhältnissen, offenbar in der Minderheit sind,
wo selbst ein Minimalkonsens von Demokratie und Aufklärung
nicht mehr selbstverständlich ist.“
Roger Behrens

Der ehemalige Algerien-Korrespondent der ARD, Samuel Schirmbeck, warnt er vor dem wachsenden Einfluss der Islamverbände in Deutschland und schildert die Gemeinsamkeiten des von den Verbänden propagierten Islam mit dem Islamismus. Der Altachtundsechziger plädiert für eine radikale linke Islamkritik (vgl. Jan Huiskens), die auch die Muslime stärker einbezieht. Auszüge aus dem Jungle-World-Interview:
Sie gehen in Ihrer Islamkritik noch weiter als Alice Schwarzer. Sie unterscheiden nicht zwischen Islam und Islamismus. Wie sind die Reaktionen?
Schon nach meinem ersten Artikel in der FAZ 2015 war das wie ein Erdbeben mit Tausenden Likes. Es war der meistgelesene Artikel des Jahres 2015 der FAZ. Offensichtlich entsprach das einem Grundgefühl. Ich hatte mit negativen Reaktionen gerechnet, aber da gab es nur ganz wenige.
In Ihrem Buch beschreiben Sie allerdings, dass Sie von Ihren ehemaligen linken Genossen wegen Ihrer kritischen Algerien-Berichterstattung angegriffen wurden. Das beschäftigt Sie noch heute.
Das war für mich schlimmer als die Anfeindungen in Algier selbst. Aber ich empfand die Rückkehr nach Deutschland dann als noch schlimmer. Dass Fundamentalisten was gegen Ausländer haben, war mir klar. Als ich dann in Deutschland anfing, davon zu erzählen, waren die Reaktionen verhalten. Man versuchte, die Taten der Islamisten zu entschuldigen und zu relativieren, etwa damit, dass die Dissidenten vielleicht auch irgendwas Beleidigendes gegen den Islam gesagt hätten. Es war für mich eine große Enttäuschung, dass die Linke in Deutschland nicht auf der Seite der muslimischen Dissidenten steht. Ich war deprimiert, weil ich plötzlich politisch heimatlos geworden war. Wenn ich jetzt beispielsweise zur Buchmesse fahre, kann ich nicht einmal mehr bei alten Freunden in Frankfurt anrufen. Da gelte ich als Nazi.
Sie kritisieren Ihrerseits die Linke scharf und schreiben beispielsweise in Ihrem Buch: »Der linke Stammtisch hat dem rechten Stammtisch erst ermöglicht, sich der Islamkritik zu bemächtigen.« Wie ist das zu verstehen?
Diese Linke hat jeden fertiggemacht, der etwas in Bezug auf den Islam hinterfragt hat. Ich habe das in meinem eigenen Freundeskreis erlebt. Man kann dort alles in Frage stellen: den Veganismus, den Katholizismus, sogar den Sozialismus. Nur den Islam nicht. Dabei ist Islamkritik etwas originär Linkes. In meinem Buch kommen deshalb vor allem linke Muslime zu Wort.

Werbeanzeigen

Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Zeitdiagnostik abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s