Kombinat Wagenknecht

„Die Auseinandersetzung zwischen rassistischem Nationalismus und neoliberalem Standortnationalismus dominiert die politische Bühne. Neoliberale wissen, dass nationale Märkte längst zu klein sind. Sie favorisieren Freihandel, Freizügigkeit für das Kapital, eine begrenzte Zuwanderung von Arbeitskräften und in Europa die EU und den Euro. Nationalisten fürchten um die Souveränität des Staates und die Unbeflecktheit des reinen Volkskörpers. Sie setzen auf Abschottung und agitieren gegen Überfremdung, Globalisierung und das internationale Finanzkapital, wenn sie nicht offen von der jüdischen Weltherrschaft sprechen wollen. Solche Frontstellungen präg(t)en die Brexit-Kampagne, die Flüchtlingsdebatte, die Präsidentschaftswahlkämpfe in Österreich und den USA und demnächst in Frankreich. An dieser Bipolarität richten sich die politischen Kräfte aus, in der Linken in Gestalt eines national-sozialen Flügels. In Deutschland ist Sahra Wagenknecht dessen Anführerin. – Dabei gibt es zwischen Neoliberalen und Nationalisten durchaus Schnittmengen.“ (Peter Bierl, Konkret)

Und ganz zum Ende der von mir unterschriebene Schlußakkord:
Wagenknechts Tiraden gegen die EU gipfeln im Bekenntnis zum homogenen Volk als Träger wahrer Demokratie. Bei der Spitzenpolitikerin der Linkspartei klingt das so: „Je größer, inhomogener und unübersichtlicher eine politische Einheit ist, desto weniger funktioniert das. Kommen dann noch Unterschiede in Sprachen und Kultur hinzu, ist es ein aussichtsloses Unterfangen. Demokratie und Sozialstaat wurden aus gutem Grund im Rahmen einzelner Nationalstaaten erkämpft, und sie verschwinden mit dem Machtverlust ihrer Parlamente und Regierungen.“
Bürgerliche Demokratien wie Belgien, die Schweiz und die USA dürfte es demnach nicht geben. Mit der Existenz größerer Gruppen von Migranten anderer Sprache und Kultur wäre Demokratie unvereinbar. Mit solchen Ansichten schließen Linke im Kampf gegen das neoliberale Establishment zur Rechten auf. Der CSU-Rechtsaußen Peter Gauweiler lobt Wagenknechts Bücher mit gutem Grund. Ihre Auslassungen über Flüchtlinge und ihre Kritik der Merkelschen Flüchtlingspolitik sind mehr als der taktische Versuch, rechte Dumpfbacken abzuholen.

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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