Sachsen-Monitor: die private Aberkennung

Daß Aufklärung (wieder) umschlägt in Mythos, kann man seit Horkheimers und Adornos Studien wissen; auch warum: weil die Umwälzung der Globalgesellschaft in eine humane zum adäquaten Zeitpunkt „versäumt ward“. Roll back, mal schlimm, mal noch schlimmer, bis zum Untergang der Menschheit (Karl Kraus) und noch weiter.
Eine Studie zum antidemokratischen und rassistisch-brutalen Gehalt im Freistaat Sachsen hat eben dieses doch seltsame Bundesland in Auftrag gegeben und nun vorgelegt, den Sachsen-Monitor nach Vorbild des Thüringen-Monitors. Schlimm! Die Statistik spricht eine klare Sprache, wie nicht anders zu erwarten für jeden aufgeklärten durchschnittlichen Beobachter. Der Deutschlandfunk hat diese Studie auf Facebook zur Diskussion gestellt und erntete Kommentare zuhauf, – die die schlimme Statistik bestätigen.
Die Studie (25% AfD-Wähler, 11% pro Diktatur, 98,6 bodenständige Stammsachsen) wird durch einen solitären Kommentar beim Deutschlandfunk komplett bestätigt: „Ich lebe seit zwei Jahren in Sachsen. Wie in keiner anderen Region in Deutschland kann man hier so offen und akzeptiert seinen Rassismus pflegen und ausleben. In manchen Landstrichen würde ich aus Schiss als Ausländer oder Nicht-offen-Rechter den Zug/Bus lieber nicht verlassen,“ schreibt Jakob Haupt.
Gegen die kommentierenden Ureinwohner steht er damit allein. Alle wehren den „Vorwurf“ (sic!) ab, Sachsen habe ein ‚Problem mit Rassismus‘ oder sind sogar stolz auf die die Sachsenreinheit aufrechterhaltenwollen Täter. Die Wege solchen ‚Kommentierens‘ sind bekannt: Abwehr, Leugnung, Verweis auf andere Übeltäter, Herauskramen unüberprüfbarer uralter Geschichten, Verleumdung, Beleidigung.
Und eben auch das scheinbare Argument (aus der Aufklärung, aus praxisversäumter [s.o.] linker Kritik von Interessenpolitik gestohlen und verbogen) gegen Statistik, gegen Rationalität überhaupt. FC-Bayern-Fan Karl-Heinz Klos meint z.B.: „Der die Studie bezahlt, bekommt das gewünschte Ergebnis.“ Und Wolfgang Jaumann stimmt zu: „Möglicherweise waren die Fragen so geschickt gewählt, dass gar kein anderes Ergebnis dabei herauskommen kann.“ Und die notorisch trollige  Faustine Imfass lenkt die Gefahr von Selbsterkenntnis ab: „So, und jetzt bitteschön eine Studie im Freistaat Bayern zu politischen Einstellungen seiner Bürger in Auftrag geben.“
Diese überschlauen, nur durch Manipulationsabsicht zustandekommenden scheinrationalen Wahrheiten sind tiefste Propaganda, viel mehr als offene Parolen in Sachsen, in Bautzen, in Pegida-Dresden, in Heidenau, in Tröglitz. Die wahren Unwahren sind immer ein bisserl schlauer als ihre Täterdeppen. –

mytEirik Gunnarsson weist wenigstens auf die Fallstricke der deutschen Grammatik hin, in welche solche (hier von mir korrigierend lesbar gemachten) Kommentare sich verfangen und Leonie Umbach antwortet ironisch den Statistikkritikern: „die Antwort kann einem die schönste Frage versauen!“
Man kann für die ziemlich intensive Diskussion nicht der Studie, sondern der Kommentierenden neben- und aufeinander für die Sachsen sagen: „Wenn Du Dich angesprochen fühlst, scheinst Du ein Teil des Problems zu sein.“ (Susann Qualmann) „Der Opfermythos der Sachsen“, so Jan Tannen, zeigt sich „im Beleidigtsein über das, was die Studie ermittelt hat.“ Ich habe geschrieben: „Sachsen ist wirklich das dümmste Bundesland der Welt!“

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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