Der Weiße Riese

Meinen Chemielehrer ermahnte sein Arzt, er müsse viel trinken. Das tue er doch. Wie? Er sitze jeden Abend in der Peitsche und trinke drei Liter Bier. „Das reicht nicht“, sagte sein Arzt. „Mehr schaff´ ich nicht“, erwiderte mein Lehrer. – So jedenfalls kommt diese nicht gezählte Wahre Geschichte, vom Betroffenen mir erzählt, hier auf die Nachwelt. Sie trägt den Titel: Unser Dr. B., ‚der Weiße Riese‘ genannt, zwei Meter hoch, viel Umfang, immer im weißen Kittel. Und er war der erste, der den 25Tsd. Deutsche Mark teuren Lochkartencomputer zum hauptsächlichen Zwecke der Oberstufenkoordination bedienen konnte. Lochkarte ist das Stichwort des Zwangssystems der Oberstufen der End70er Jahre. – Ich selbst kaufte mir mit meiner damaligen wie bis heute kommunizierenden Liebe zur beiderseitigen Examensbewältigung den ersten Homecomputer, mit bernsteinfarbenen Zeichen auf dem Bildschirm wegen der 20-MB-Festplatte, gesichert auf riesengroßen Floppies und ausgedruckt mit 24 Nadeln auf: Bütten oder 80gPapier. Ohne den Weißen Riesen hätten wir es nicht geschafft, als Schüler waren wir blanke Emotion und auf Schülerinnen fixiert, als Studenten, die noch voll auf Print waren, lösten wir als KANDIDATEN DES SYSTEMS den Knoten, der die BÜCHSE DES NETZES ins Leak öffnete, dem wir heute ein Sklave sind. – Drei Liter, einen Gedenktrunk drauf. Der WEIßE RIESE, er hätte dem Rat seines Arztes folgen sollen.

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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2 Antworten zu Der Weiße Riese

  1. Manfred Voita schreibt:

    20 MB Festplatte, damit habe ich auch mal begonnen. Aber mit einem 12-Nadel-Drucker von… Star? Mit Endlospapier und Farbband, wie bei einer Schreibmaschine. Drei Liter? Damals wurde in Halben gezählt, die aber schon 0,4 waren und davon nahm man im Laufe des Abends mal drei und stieß damit an das Aufnahmevermögen des Körpers und das Ausgabevermögen des Geldbeutels. Und meinen Profs begegnete man dann auch noch in der Kneipe – die man dann tunlichst wechselte.

    • rainer kühn schreibt:

      Lütte Platte, riesige gummihafte Speichermedien, ja, es war das Jahr 1987. Und der 24-Nadeldrucker machte es schon auf DIN-A-4-Papier, in der Meppener Straße 8 zu Münster. – Klar ging man Abitestern in der Altstadt zu Osnabrück eher aus dem Wege, Dr. B. wußte die Kandidaten aber stilltrinkend zu nehmen. Er blieb immer ein Großer an der Schule, was man von prinzipiell damals schon veganen Lehrern nicht behaupten kann. 😉

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