Teilweise affin oder schon voll resistent

blume1Die CDU in Mecklenburg-Vorpommern hat ihren Kandidaten für das Amt des Justizministers, den Stralsunder Staatsanwalt Ott, zurückgezogen. Hintergrund ist, dass Ott auf Facebook eine Seite der AfD mit der Funktion „Gefällt mir“ markiert hat. (DLF-Nachrichtenredaktion Facebook)
79 Kommentare, mit „Dreiviertelmehrheit“ derjenigen, die einen AfD-Sympathisierer als CDU-Justizminister aus unterschiedlichen Gründen überhaupt nicht schlimm fänden. Nach der Terror-Abstimmung bei Plasberg einer der vielen Bekundungen, daß der deutsche Kommentator, zumal im Osten, rechts dreht. Zwei Ausnahmen:
Benjamin Dietze Aber die Richter, Staatsanwälte und Polizisten ohne politisches Amt, die in der AfD sind, bleiben weiterhin unbehelligt.
Frank Labitzke Schön, dass zumindest einige in der CDU noch ein demokratisches Rückgrat haben war mein erster Gedanke. Und bezeichnend, dass sich hier sofort Kommentatoren melden, die Rückgrat als Gesinnungsdiktatur bezeichnen.

Und hier noch mein Dialog im Kommentarbereich mit einer profillosen Person, die vorgibt oder wahrscheinlich stolz drauf ist, in Dresden studiert zu haben:
Rainer Kühn Es gibt ja auch Polizisten bei den Reichsbürgern, früher war die CDU ganz gut mit Altnazis bestückt bis ins Kanzleramt, und gerade die Justiz hatte in D immer nur ein Auge: auf Aufklärer nämlich! Und die wurden sanktioniert. – Die alte braune Suppe kommt jetzt frisch auf den Tisch.
Joerg Kunze Ihre „alte braune Suppe“ dürfte längst verstorben sein. Es sei denn, Ihre Altnazis sind mit über 100 Jahren noch in der Politik aktiv.
Rainer Kühn Joerg Kunze, in Dresden studiert? Na, dann hilft Lesenlernen: „früher war die CDU ganz gut mit Altnazis bestückt“.
Joerg Kunze Ich habe es durchaus gelesen. Es war ironisch gemeint, da Ihr Vergleich unangebracht ist. Denn wenn Sie das heute mit den Nazis von früher vergleichen, dann haben Sie wohl keine Ahnung davon, was die wirklichen Nazis waren.
Rainer Kühn „Frisch auf den Tisch“: Auf dem Zentralfriedhof meiner Stadt ist Reichskanzler Brüning begraben; falls Sie verstehen wollen, was das hier jetzt bedeuten soll.* – Und: Auch bei Ironie heißt es: üben, üben, üben! Viel Erfolg.
Joerg Kunze Ach so, wei bei Ihnen Brüning begraben ist, deswegen kennen Sie sich mit Nazis aus. Was für ein überzeugendes Argument!?
Übrigens ´begraben…“ genau, das ist es was ich meine. Ihre Nazis müsste man erst wieder ausgaben.

Gefällt mir habe ich nicht geklickt, gegen rechtsaffine Kenntnisloskeit gibt es keinen Button auf Facebook.

* Die Wikipedia dazu in Kürze: Der konservativ-nationale Katholik unterstützte die Große Koalition. Brüning war der letzte Kanzler der Weimarer Republik, der auf demokratischer Grundlage regierte. Sein „System Brüning“ stützte sich auf sogenannte Notverordnungen des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Seine Haltung gegenüber den Nationalsozialisten schwankte zwischen Bekämpfung und Einbindung der NSDAP in eine Rechtskoalition. Im März 1933 stimmte er dem Ermächtigungsgesetz zu. Im Juli 1933 wickelte er als Vorsitzender die Auflösung des Zentrums als letzte demokratische Partei ab. 1934 floh er aus Deutschland. Die Geschichtswissenschaft sieht seine Memoiren als Schutzbehauptung, für die in zeitgenössischen Dokumenten kein belastbarer Beleg zu finden ist. Die neueste deutsche Politik seit den Nuller Jahren wird im ernstzunehmenden Journalismus öfters mit dem brüningschen System verglichen. (N.b.: Die Eignung als Historiker zertifizierte mir ein Spezialist für die 20er und 30er Jahre, heute Professor in Marburg, der sogar die Grablegung Brünings teilnehmend beobachtet hat.)

>>> Und noch was aus dem Osten, und Zwickau hat ja einen Ruf, der nicht zu verteidigen ist, der aber wie so oft mit mitgespieltem Nichtwissen dunkel getönt wird:
Nach dem 1:1 beim FSV Zwickau hat der Trainer des gegnerischen Fußball-Drittligisten FSV Frankfurt Rassismusvorwürfe gegen Zwickauer Fans erhoben. «Wenn unser Spieler Shawn Berry am Ball ist und dann Affenlaute gerufen werden, die ganz klar in die rassistische Richtung gehen, kann ich es einfach nicht tolerieren», sagte Roland Vrabec am Samstag dem MDR-Fernsehen sichtlich aufgebracht. Das Zwickauer Publikum sei das «schlechteste Publikum, was ich je erlebt habe». Zwickaus Kapitän Toni Wachsmuth bekam nach eigener Aussage von den Rufen nichts mit. «Ich weiß jetzt auch nicht, ob wir jedes Vierteljahr mit irgendwelchen Vorwürfen derart konfrontiert werden müssen», sagte er dem MDR. Zwickaus Fans waren in der Vergangenheit schon öfter negativ aufgefallen. (dpa/FR)

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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2 Antworten zu Teilweise affin oder schon voll resistent

  1. Manfred Voita schreibt:

    Bedenklich an den Entwicklungen, die im Osten, aber leider nicht nur im Osten, zu beobachten sind, ist neben hinausgebrüllten Hass, der mir durchaus vergleichbar mit den Nazis und ihren Horden scheint, das Wegschauen. Reflexartig kommen die Vorwürfe, doch nur Sachsen schaden zu wollen, wenn da mal ein Minister auf das Versagen von Polizei und Justiz hinweist.

  2. rainer kühn schreibt:

    Ja, und das Lavieren und Drumrumreden um die offensichtliche blanke Menschenverachtung – jetzt gerade in Schmölln – ist eine Politik, die nichts mehr mit Diplomatie des Wieder-ins-Boot-Holen-Wollens zu tun hat. Und ich denke, vor allem im Osten des gewendeten Deutschlands, wo meine halbe Verwandtschaft vor 89 schön lebte, gibt es so viel offen sich zeigende Nazis (kann ich selbst aus Urlauben bezeugen) und AfD-Gesinnung durch alle relevanten Institutionen der Gesellschaft, daß der Rechtsstaat dort von innen zerbröselt. Und draußen eben der Hassmob nicht nur vor Flüchtlingsheimen, der den letzten Aufrechten Angst macht und um körperliche Unversehrtheit fürchten läßt. Und selbst in Polizeiobhut ist ein Leben nicht sicher. – Und und und … macht mir schon angst.

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