Die Pastoralisierung der Gesellschaft

Irgendwann schrieb Hermann L. Gremliza in seiner Konkretkolumne von der Pastoralisierung der Bundesrepublik.  War vor 1989 die innere Zersetzung der DDR-Gesellschaft auch den Kirchenkreisen zuzurechnen unter dem Deckmantel höheren  Widerstandes, so wurde die zweite Zersetzung der deutschen demokratischen Republik durch die Stasi ebenfalls von oben, in einer gottgefälligen Behörde, nachbereitet. Krönung des Gottesstaates ist von jeher bis heute der Amtseid mit seiner Schlußformel „So wahr mir Gott helfe“, der immerhin auch  ohne religiöse Beteuerung geleistet werden kann, wie es als einziger G. Schröder vormachte. Während im Westen also weggelassen werden konnte, was demnach definitiv dazugehörte, konnte im Osten das Religiöse immerhin hinzugefügt werden, als leider erlaubter Rückfall in eine Welt von Gott, Volk und Vaterland. – Wenn auch Wulf als Katholik sich auf den Islam berufen hat, also die Vielgötterei quasioffiziell gemacht hat, so haben doch die Evangelen einen besonderen Draht zur Politik. Und wenn Amtsinhaber Joachim Gauck von Margot Käßmann abgelöst werden sollte, ist das höchste Amt der Republik endgültig aufgefahren gen Himmel.
Was ist das?
Was waren das  noch für Zeiten, als Don Camillo und Peppone den Weltenkampf austrugen. Bevor die Fernsehpfarrer den vorabendlichen und Prime-Time-Abend eroberten mit aus unseren schwer erarbeiteten GEZ-Gebühren finzanzierten Dramen. Seit 2002 gibt es die ARD-Fernsehserie „Um Himmels Willen“, und in der vierten Staffel gibt das ZDF dem alleinerziehenden Pfarrer Andreas Tabarius als „Herzensbrecher“ alle Religionsfreiheit, die jedoch in richtiger Weise eine Freiheit von wäre, von Religion. Aber Gott besetzte schon immer die zielgruppenrelevanten Sendezeiten.
Wer kennt denn nicht Jürgen Fliege, „Gottes Pfeife“ (Eckhard Henscheid) Sommerauer, das ewige Gotteswort zum Sonntag, „Oh Gott, Herr Pfarrer“ und „Pfarrerin Lenau“ damals, „Mit Leid und Seele“ sowie „Pfarrer Braun“ aus der Wendezeit. Die Kirchen sehen solche Sympathiewerbung gerne, ich aber fiel schon lange vom Glauben und also auch allen SPD-Vorsitzenden ab.

Dort oben ist das wahre Leben!
Und uns´res hier ist tief daneben
Franz Hohler

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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2 Antworten zu Die Pastoralisierung der Gesellschaft

  1. Manfred Voita schreibt:

    Der Einfluss der Kirche ist allerdings deutlich zu groß, gemessen an ihrer realen Gefolgschaft, die immer kleiner wird und häufig statt des Gottesdienstes oder des Worts zum Sonntag einfach nur den Pfarrer Braun sieht, reicht ja auch.

  2. R3BB schreibt:

    Für eine wirklich offene, humane Gesellschaft und auch für humane Einzelmenschen ist jede Religion das jeweils einzige Bollwerk, das geschlagen werden muß, denke ich. Habe selbst nach Konfirmation bei Jugendgruppen federführendmitgemacht, wohlwollend die Eltern, in Chor oder Kirchenvorstand. Na ja, ich las bei den Partyabenden im Gemeindesaal vorher Tucholsky, und dann endlich Musik & Tanz & und pubertäres … Gehabe. – Und viel weiter sind die Bazare und Schönrednereien in den Gemeiden heute auch nicht. Und die guten Christen und Christinnen machen ja Sachen, für die man die Bibel und die Kirche gar nicht braucht.

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