Alles über Blasphemie, Majestätsbeleidigung und Schmäh

Bei aller technologischen Rationalität sind gerade die Orte des institutionalisierten Glaubens keiner Vernunft und keinem Verstand zugänglich. Solange Religiosität als Privatvergnügen gelebt wird, ist das für eine moderne Gesellschaft weitgehend unproblematisch (beziehungsweise nicht problematischer als etwa Abhängigkeit vom Glücksspiel, Freude an Markenkleidung oder die übermäßige Pflege des eigenen Autos). Wichtig dabei ist nämlich beides – das Private, aber auch das Vergnügen. Bei Gotteslästereien kippt das in zweifacher Hinsicht: Das Private fällt in den Bereich der Öffentlichkeit (so der Paragraph 166 im Strafgesetzbuch: »Beschimpfungen von Gott, Glaube und Religion sind strafbar, wenn sie den öffentlichen Frieden stören«); und – was in emanzipatorischer Hinsicht schwerer wiegt – die religiösen Belange, um die es geht, sind alles, nur kein Vergnügen.
Was daraus folgt: Sofern der Staat auf das Ansinnen derjenigen eingeht, die sich durch Blasphemie beleidigt fühlen, verdreht er die Freiheit des Glaubens, indem die Forderung der Toleranz nicht nur gegenüber dem Privatvergnügen erhoben wird, sondern nachgerade gegenüber einer Form von Religiosität erzwungen wird, die sich als öffentliche Gewalt geriert. Dass Religionsfreiheit auch in Fragen gelungener Gotteslästerung und Verletzung »religiöser Gefühle« eigentlich meinte: die mögliche Freiheit von Religion, ist damit wie so manch anderer Lichtblick der Aufklärung abgeschaltet. – So die Conclusio von Roger Behrens´ Kleiner Kulturgeschichte der Blasphemie in der Jungle World.

 

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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