Pro Fankultur – für alle!

Am 06.03.2016 fand im Rahmen des Fußballspiels SC Preußen Münster – VfL Osnabrück aufgrund des Ausschlusses von Gästefans eine Demonstration der Fanszene Osnabrück in Münster statt. Einen der Redebeiträge wollen wir an dieser Stelle auch öffentlich teilen, da viele der Aussagen den aktuellen Status quo von Fankultur in Deutschland und mögliche zukünftige Entwicklungen widerspiegeln. (Die Violet Crew gibt auch einige schöne Fotos auf ihrer Website, auf dem hier mitgegebenen Bild demontriert meine Anwesenheit meine volle sachliche Zustimmung.)

„Heute ist Derbytag. Das ist ein besonderer Tag, das muss niemandem, der heute hier steht, erklärt werden. Aber was macht den Tag des Derbys so besonders? Das Spiel gegen den Erzrivalen, sicherlich noch mehr aber das Messen, sportlich und eben ganz besonders auch auf den Rängen. Das kann nicht jeder nachvollziehen, das muss auch nicht jeder mitmachen. Aber es ist unbestritten Teil der Faszination des Fußballs, es ist, was die Einzigartigkeit dieses Sportes begründet und so viele begeistert. Es ist eine eigene Fankultur, die nur der Fußball zu bieten hat. Genau deshalb fordern wir, die genau das wollen, unser Recht ein, unsere Fankultur ausleben zu dürfen. Ein Derby ohne Gästefans ist nicht nur ein massiver Eingriff in diese Fankultur, vielmehr offenbart es ganz exemplarisch, was beim Fußball seit Jahren schief läuft. Die Umdeutung der Fankultur zum Sicherheitsrisiko durch Verbände, Polizei und Politik gefährdet nicht nur den Fußball wie er geliebt wird, sondern diffamiert uns Fans in einem nicht zu ertragendem Maß. Diese Kampagne mündet in massive Eingriffe in unsere Rechte und Freiheit – als Fans und als Bürger. Wie frei eine Gesellschaft ist, zeigt sich an ihren Rändern! Wem das zu pathetisch klingt, der sollte jetzt erst recht gut zuhören.

Dass wir heute hier in Münster stehen und nicht auf dem Weg ins Stadion sind, ist das Resultat einer Hysteriespirale, die nichts außer Frust hervorgebracht hat. Welchem Prinzip folgt eigentlich der Gedanke eines kollektiven Gästeausschlusses bei Fußballspielen? Die Unschuldsvermutung – ein oft zitierter Grundpfeiler unserer demokratischen Gesellschaftsordnung – greift hier schon lange nicht mehr. Eine Stigmatisierung einer ganzen Gruppe, nämlich uns, der Fußballfans, aufgrund von Verfehlungen Einzelner, ist für uns nicht mehr wort- und tatenlos hinnehmbar. Nur im Fußball werden 100.000 Fans als Störer verunglimpft. So werden alle, die sich in welcher Art auch immer für den Fußball interessieren und engagieren unter Generalverdacht gestellt. Kritik und Mündigkeit wird bewusst mit Gefährdung und Unruhe vermischt. Rechtsstaatliche Prinzipien werden mit Füßen getreten und am Ende wird den Leidtragenden, nämlich den Fans, auch noch vorgeworfen, Schuld an dieser Entwicklung zu sein. So sieht also der Dialog aus, in dem wir angeblich stehen. Die Realität – das monologe Vortragen von haltlosen Vorwürfen und Vorverurteilungen seitens Politik, Polizei und auch Medien, aber auch das oftmals stille Abnicken von Maßnahmen durch Vereine und Verbände ist zermürbend. So wird eine Kultur des Stillhaltens gefördert, die einer Demokratie unwürdig ist. Gerade andere Meinungen, besonders die von vermeintlichen Minderheiten, müssen ihren Platz in der Debatte haben, ohne von vornherein als haltlos sabotiert zu werden. Nur so kann der so oft geforderte Dialog auf Augenhöhe zustande kommen. Dass auch Selbstkritik zu diesem Prozess gehören muss, ist uns Fans schon lange bewusst. Dass wir dazu in der Lage sind, haben wir oft und wiederholt bewiesen. Nicht nur in Osnabrück. Einseitig kann das aber niemals funktionieren. Solange Fehler und Verfehlungen ausschließlich auf Seiten der Fans wahrgenommen und breitgetreten werden, ist an eine echte Verständigung kaum zu glauben. Wir lassen uns nicht in „gute“ und „böse“ Fans einteilen von Personenkreisen, die Unwillens sind, sich selbst kritisch zu hinterfragen. Wie Paradox ist das Zerrbild geworden, das heute von Fans und ihrer Kultur gezeichnet wird?

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Bis zum schönen Peleschen Schlußsatz „Lasst die Scheiße sein!“ bitte auf der Website der Violet Crew weiterlesen. Danke. & Bitte.

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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