Die Selbstzerstörung der akademischen Öffentlichkeit

Die politische Korrektheit hat einen Vorläufer in dem, was in den siebziger Jahren »Po­litik der ersten Person« genannt wurde und deren narzisstisches Wesen heute deutlich kenntlich ist. Statt eines dialektischen Begriffs von Klassenstandpunkt und objektiver Wahrheit hat sich eine Auffassung der unmittelbaren Wahrheit des je individuellen Standpunkts durchsetzen können.

Die Universität wird von politisch korrekten Studenten nicht als Ensemble von Institutionen, sondern als familiärer Zusammenhang mit intimen Verhaltensregeln wahrgenommen. Beispielhaft ist eine Situation, die kürzlich in der Welt beschrieben wurde. Als ein Dozent »bei einer erregten Debatte auf dem Campus an das Recht auf intellektuellen Diskurs erinnerte, schrie ihn eine junge schwarze Studentin an: ›Seien Sie still, verdammt!‹ Und: ›Es geht nicht um die Schaffung eines intellektuellen Raumes! Darum geht’s nicht! Begreifen Sie das? Es geht darum, hier ein Zuhause zu schaffen!‹«
Das Programm, das an den Universitäten im Namen der politischen Korrektheit betrieben wird, könnte kaum besser auf den Punkt gebracht werden. Ein intellektueller Raum wäre ein öffentlicher Raum der Debatte, in dem zugunsten des Sachgehaltes des verhandelten Gegenstandes die jeweiligen individuellen Ansprüche zurückgenommen werden. Das kann allerdings nur gelingen, wenn die gemeinsame Absicht besteht, dies zu tun.

Doch was sind die Ursachen dieses Ansinnens? Wie ist diese Bewegung zu erklären, die eine Verbindung aus biedermeierlichen Behaglichkeitswünschen und politisch-moralischem Radikalismus darstellt? Was man seit ein paar Jahren und gegenwärtig an den Universitäten in Europa und Nordamerika beobachten kann, ist eine Selbstzerstörung der akademischen Öffentlichkeit. Lesen bis zum bitteren Ende …

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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