Im Sternenhagel: der FC Bayern auf Mallorca

Auch in einschlägigen Internetforen der Bayern-Fans kochte die Diskussion zum Riad-Spiel hoch. Es wurde gefordert, dass sich der Verein bei der nächsten Mitgliederversammlung mit dem Thema befassen sollte. In der vergangenen Saison löste der Fußball-Zweitligaklub FSV Frankfurt nach medialem Druck einen Sponsorenvertrag mit der Fluglinie Saudia auf, weil es die Staatslinie aus Saudi-Arabien ablehnt, Fluggäste mit israelischem Pass zu transportieren. Damals intervenierte DFL-Chef Rauball vehement gegen den kleineren Klub. Bei den Bayern hält er sich zurück.

Karl-Heinz Rummenigge macht Prioritäten geltend, die für ihn wichtiger sind als die menschenrechtliche Situation in Katar, wo der FC Bayern sein Winterlager aufgeschlagen hat: „Die sportliche Führung hat sich extrem dafür ausgesprochen, dort nochmal hinzugehen, weil es die besten Voraussetzungen gibt. Die Plätze sind wunderbar, das Klima ist perfekt.“ Außerdem sei man „auch ein bisschen abergläubisch.“ Die Aktionäre der Bayern AG wird´s freuen, und auch das Emirat hält eine Million Euro für den darbendern Rekordmeister und CL-Winner für den Aufenthalt bereit. Hinzu kommt, dass Bayerns Trainer Josep Guardiola eine Art Image-Botschafter für Katar ist – eine Tätigkeit, für die er sich laut n-tv fürstlich entlohnen läßt.
Dann ging es zum Testspiel nach Saudi-Arabien, wo in diesem Jahr bisher sieben Menschen enthauptet worden sein sollen und der Blogger Badawi tausend Peitschenhiebe erhalten wird. Ein Bayernfan und Vereinsmitglied hat diese Dinge in einem offenen Brief angesprochen und die Aufkündigung der Liebe zum Stern des Südens angekündigt, sollte alles so bleiben, wie es ist. – Der gerade gewesene Hype um den jüdischen Bayern-Präsidenten Landauer wird marktkonform zu einem beschwiegenen Geheimnis in einem Land, in dem Frauen sportliche Betätigung aktiv wie passiv verwehrt wird, in das Israelis nicht einreisen dürfen, weil sie eben Israelis sind, in dem Kaiser Franz aber alles in Ordnung findet und freundschaftliche Beziehungen zu all den Organisationen gepflegt werden, die in München dann wieder als terroristisch erkannt werden.
Ich empfehle dann schon mal die Bremer Brücke, u.a. ein Frauenfußballänderspielparadies

„Borussia Dortmund sind ethische und soziale Standards wichtig. Wir haben schon vor Jahren beschlossen, dass wir grundsätzlich kein Spiel in einem Land absolvieren werden, das breite Schichten der Bevölkerung diskriminiert, ihnen das Stadionerlebnis verbietet und sich einem Dialog über das Thema Menschenrechte kategorisch verschließt.“ (Champions League mal anders; BVB-Vereinsmitteilung)

Nachtrag

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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