Kunst schätze(n) ist unmöglich geworden

(lwl). Am Montag veröffentlichte der „Focus“, dass Fahnder bereits 2011 in einer Münchener Privatwohnung 1500 Kunstwerke beschlagnahmt hätten. Darunter sollen sich zahlreiche Bilder namhafter Künstler wie Franz Marc, Max Beckmann, Paul Klee oder Oskar Kokoschka befinden, die zu nationalsozialistischer Raubkunst gehören. Laut Focus gelten mindestens 300 der aufgetauchten Werke als verschollen oder zerstört. Dr. Tanja Pirsig-Marshall, Expertin für Moderne Kunst und Provenienzforschung im Museum für Kunst und Kultur des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster ist verblüfft über diese Meldung.

Welche Bedeutung hat dieser Fund für die Kunstwelt?
Pirsig-Marshall: Es ist sehr erstaunlich, dass eine solch hohe Anzahl hochkarätiger Kunstwerke so lange verborgen bleiben konnte. Viele dieser Bilder gehörten wahrscheinlich zu den unter den Nationalsozialisten als so genannte „entartete Kunst“ diffamierten Kunstwerken, die als verschwunden oder zerstört galten. Dass überhaupt Werke von so renommierten Künstlern der Moderne wieder auftauchen, ist ein unschätzbarer Glücksfall. Gleichzeitig bietet dieser Fall eine Chance, neue Ergebnisse in der Provenienzforschung zu erhalten, vor allem Fragen darüber zu klären, wo die von den Nationalsozialisten beschlagnahmten Kunstwerke hingelangt sind.
Womit beschäftigt sich die Provenienzforschung?
Pirsig-Marshall: Die Provenzienzforschung beschäftigt sich mit der Herkunft eines Kunstwerkes. Es ist oftmals sehr schwierig, diese bei einem Exponat nachzuvollziehen, wenn nicht alle Besitzverhältnisse lückenlos aufgezeigt und nachgewiesen sind. Mit der Washingtoner Erklärung von 1998 verpflichteten sich auch deutsche Museen, nationalsozialistische Raubkunst zurückzuführen und Besitzverhältnisse zu klären. Neben zahlreichen Sammlungen von Museen waren vor allem viele jüdische Kunsthändler und Sammler betroffen.

Glauben Sie, dass sich solch ein Fund wiederholen könnte?
Pirsig-Marshall: (…) Das bleibt für mich die größte Frage: Wie konnte ein Einzelner über einen so langen Zeitraum so viele Werke besitzen, ohne dass es irgendwie auffiel?

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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Eine Antwort zu Kunst schätze(n) ist unmöglich geworden

  1. walter ter linde schreibt:

    Wie weit die Naziväter und -mütter und -söhne und -töchter ins Heute hineinreichen, ist nicht unglaublich, sondern wissbar für jeden, der lesen und hören konnte und wollte im Nachfolgestaat. Alle Berichterstattung ist mir pervers.

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