Reich nur an Quatsch und Ablenkung: die Mediengesellschaft

Berichte zur Lebenslage der Bevölkerung werden auch in Deutschland wieder als Armuts- und Reichtumsberichte geschrieben. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie der Journalismus als bedeutende öffentliche Stimme die soziale Ungleichheit kommentiert. Untersucht wurden die Ausgaben der Jahre 2008 bis 2012 der Tageszeitungen Berliner Zeitung und Tagesspiegel, SZ und FAZ sowie der Wochenmedien Der Spiegel und Die Zeit; bei diesen die gesamte Printausgabe, bei den Tageszeitungen die redaktionellen Kommentare.
Zwei Befunde nennt die Studie im Titel: „Portionierte Armut, Blackbox Reichtum“. Die Kommentare thematisieren Armut – nicht besonders häufig, doch immer wieder einmal. Sie setzen sich aber nicht mit dem Problem der Armut auseinander, sie lösen es auf in Problemgruppen. Kommentarpraxis ist es, Armut zu zerlegen in Kinder-, Alters-, Migranten-, Langzeitarbeitslosen-, Schwerbehinderten-, Hartz-IV- und Alleinerziehenden-Armut; Frauen sind in den untersuchten Texten nur als Mütter arm. Nachdem die Verarmung so portioniert wurde, empfehlen die Kommentatoren den einzelnen Gruppen, sie mögen sich bilden und engagiert auf die Suche nach einer guten Arbeitsstelle begeben.
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Dort u.a.: Ob Gesichtspunkte sozialer Ungleichheit und sozialer Gerechtigkeit präsent sind, hängt beispielsweise bei der Süddeutschen Zeitung, so unser Eindruck, von den Arbeits- und Urlaubszeiten einzelner Redakteure ab. Die Wochenzeitung Die Zeit dagegen hat ein Wirtschaftsressort, für das es in geradezu vorbildlicher Weise zu den ständigen «Hausaufgaben» gehört, die sozialen Dimensionen der Ökonomie mit auszuleuchten.
Ein Vergleich zwischen Spiegel und Zeit auf diesem Themenfeld lässt den Spiegel schlecht aussehen. Der Spiegel will Eindeutigkeit, darin ist er strukturell, nicht intellektuell der BILD-Zeitung ähnlich. Dieser Eindeutigkeit der Darstellung opfert er zu viel. Er stöbert auch gerne im Thema Reichtum, allerdings nur, um den Schatz aus Prominenz und Lifestyle zu heben.

Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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