In Münster wird ein alter Platz durch eine Mauer geteilt. Alle wollen den Schaden, der schon lange da ist, nun abwenden, die einen im Zack, die anderen im Zick

Vorabnachtrag 22.8.:  Aus gegebenem Anlaß möchte ich auf die März-Diskussion des dubiosen Bürgerbegehrens hinweisen, das den jetzigen „Schlossplatz“ wieder zum ‚Hindenburgplatz‘ zurückbomben will.
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MZ. Die Initiative „Pro Hindenburgplatz“ soll sich deutlich von rechtsradikalen Unterstützern distanzieren. Das fordert die Initiative „Schlossplatz!“ in einem Offenen Brief.
Im Offenen Brief der Schlossplatz-Unterstützer heißt es: „Seit dem vergangenen Wochenende hat Ihnen die rechtsradikale Szene die Herrschaft über ,Ihren’ Bürgerentscheid aus der Hand genommen.“ Es sei nun an Sprecher Leschniok und seinen Mitstreitern, dagegen öffentlich und glaubhaft Stellung zu beziehen.
Hintergrund: Seit einer Woche tauchen auf der Facebook-Seite der Schlossplatz-Freunde immer mehr beleidigende, teils rassistische und antisemitische Kommentare auf. Sie stammen von Rechtsextremen und Rechtsradikalen aus dem ganzen Bundesgebiet.
Die Schmähungen konzentrieren sich auf ein gutes halbes Dutzend der Münsteraner, die im Internet mit ihrem Porträt für die Beibehaltung des Namens Schlossplatz werben. Unter anderem hatte ein Kommentator geäußert, der CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz gehöre „geschächtet“.
„Was bisher eine lokale Diskussion in Münster war, hat damit eine nationale Dimension gewonnen“, sagte „Schlossplatz!“-Sprecher Georg Hundt bei einer Pressekonferenz. Er forderte die Hindenburgplatz-Initiative auf, sich bei den besonders hart angegangenen Unterstützern mit einem persönlichen Brief zu entschuldigen: „Das ist eine Frage des Anstands.“ Hundts Kollege Hermann Terborg gestand der Initiative „Pro Hindenburgplatz“ zu, die Eskalation der Debatte nicht gewollt zu haben: „Sie hat sie aber verursacht. Darum trägt sie auch eine Verantwortung.“
[
Und jetzt das ewig gleichmacherische Lied aller Staatstragenden:]
Postwendend reagierten die Hindenburgplatz-Befürworter auf den Brief: „Es ist eine völlige Übertreibung, dass die rechtsradikale Szene die Herrschaft über „unseren“ Bürgerentscheid übernommen hätte„, heißt es in einer Pressemitteilung der Bürgerinitiative vom Freitagnachmittag. „Richtig ist lediglich, dass es einzelne bedauerliche Ausfälle gab, die mutmaßlich Personen mit rechtsradikalen Hintergrund zuzurechnen sind.“
Die Facebook-Seite „Pro Hindenburgplatz“ werde ordentlich betreut: „Wir gehen dort konsequent gegen rechts- und linksradikale Beiträge und Personen vor.“

[Und der ideologischen Rede Teil 2 auf der ‚guten‘ Seite ebenso:]
„Es besteht jetzt nicht mehr nur die Gefahr, dass unsere Stadt durch die Auseinandersetzung um den Schlossplatz unmittelbar Schaden nimmt. Der ist bereits eingetreten. Jetzt besteht vielmehr die Gefahr, dass das Münster der Zukunft zu einem Wallfahrtsort der rechtsradikalen Szene wird, wenn der Bürgerentscheid am 16. Sept. 2012 zu Ihren Gunsten ausgeht. Einen Vorgeschmack darauf haben wir bereits mit zwei Neonazi-Auftritten in diesem Jahr erlebt.“ (www.schloßplatz-ms.de)
Das meine ich mit zu spät, ‚versäumt‘ (Adorno), und daß es heute allein ums Image geht, um die Arkaden als Shopping-Mall etwa und nicht um die Ergebnisse der Historikerkommission; der objektivierbare Zweck ihrer Einsetzung war unmittelbar fürs noch bessere Stadtimage intendiert; eine Farce (Karl Marx),  eine Vernutzung von Erkenntnis, und zwar von lange vorliegender – jedoch von nicht genehmer Seite.
‚Schaden von Münster abwenden‘, könnte man auch stadttragend formulieren … Wenn man sich an weit frühere Straßennamendebatten hier erinnert, an zivilisationsfeindliche Kommentare bei den ersten skulptur-Veranstaltungen auch, dann will eine/r vielleicht auch wissen, warum die Historiker/innen komischerweise immer erst viel später wissen, wo das Töpfchen stand.

Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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3 Antworten zu In Münster wird ein alter Platz durch eine Mauer geteilt. Alle wollen den Schaden, der schon lange da ist, nun abwenden, die einen im Zack, die anderen im Zick

  1. rainer kühn schreibt:

    Bestätigung dafür, daß Traditionalisten und Moderne sich einem gleichen,
    gibt die Lektüre der Westfälischen Nachrichten:
    „Die hässliche Schmähdebatte von rechts und von links ist jedenfalls das Letzte, was Münster gebrauchen kann. Schluss damit!“ kommentiert Karin Völker (WN). Auch der Sprecher der Hindenburger sagt: „Beim Straßenwahlkampf sei eine gemeinsame Erklärung gegen Extremismus beider Initiativen angedacht, aber bedauerlicherweise von der Gegenseite nicht aufgegriffen worden.“ Ebenso die Randspalte, die der JU viel Freiraum gibt. – Dabei hat hier doch wohl die Gegenseite besser beobachtet: „Es tauschen sich nach Recherchen von Christoph Wickert, Administrator des Internet-Auftritts der Schlossplatz-Freunde, unter anderen Schreiber aus, die im Umfeld der NPD und anderen rechten Gruppierungen bekannt sind. „Dort tummelt sich eine Mischung von rechten Esoterikern, wirren Islamfeinden, echten Rechtsextremisten und Personen aus dem rechtslastigen Burschenschaftsmilieu“, fasst Georg Hundt zusammen. Diese Debatte habe dem Image Münsters nun definitiv Schaden zugefügt. Wickert graut es vor einem Sieg der Hindenburgplatzfreunde beim Bürgerentscheid: „Die extreme Rechte würde die Rückbenennung zweifellos als Triumph feiern, und der Hindenburgplatz könnte einer ihre Wallfahrtsorte werden“, fürchtet er.

    Tja, wenn Bürger was begehren …

  2. rainer kühn schreibt:

    Und wer hier in der Weise, wie mit bzw. geschäftlich gegen Occupy Münster argumentiert wird, eine Analogie sieht, ist durchaus auf dem richtigen Weg: http://thinktankboy.wordpress.com/2011/10/25/vom-grunderkrach-bis-zur-occupy-bewegung/#comment-19183

    • The Violet White Football Sofa schreibt:

      Die Occupyer waren immer sehr nett. Ich habe drei-, viermal mit ihnen diskutiert.

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