Eine rauchige Geschichte von Wolfgang Müller

Als Erfinder des Tabakrauchens gelten die Kanien’kehá:ka, die hierzulande meist als Mohawk bezeichnet werden. Die Mohawk haben bereits vor über 800 Jahren mit dem Rauchen angefangen. Sie bauten Tabakpflanzen an und kultivierten sie. Das Rauchen der Tabakpfeife, so die Überlieferung der amerikanischen Erstbewohner, diene dem sozialen Austausch und entspanne die Atmosphäre. Heute leben etwa 30 000 bis 40 000 Mohawk in autonomen Gebieten in den USA und Kanada. Dort gibt es zollfrei Tabak, Glücksspiele, ein Parlament und eine eigene Mohawk-Feuerwehr und -Polizei.
Meine erste Begegnung mit einem Kanien’ke­há:ka fand überraschend auf Island statt. Akwiratékha, gerade 26 Jahre alt, war von einem dort lebenden Kanadier zum Reykjavíker Gay Pride 2004 eingeladen worden. Er zählt zu den jungen Mohawk, die die fast vergessene Kanien’kehá-Sprache lehren. »Du bist doch aus Berlin«, sprach mich Akwiratékha an. Ob mir wohl Nico ein Begriff sei? Nico? In der Tat meinte er Nico, die Sängerin von Velvet Underground, die 1988 in Ibiza tot vom Fahrrad kippte. Ja, ich habe Nico sogar live bei ihrem allerletzten Konzert gesehen, im Planetarium, in Westberlin. Das war nur wenige Monate vor dem Unglück.
Er, der Nichtraucher sagte, er habe die kettenrauchende Chanteuse in der kanadischen TV-Reihe »Die großen weiblichen Popstars« gesehen und sei von ihr begeistert. Nico ist eigentlich nicht besonders populär, was man daran merkt, dass der Warhol-Superstar beispielsweise nie von Drag-Queens imitiert wurde. In ganz Wolfsburg hatte sie um 1977 gerade mal drei Fans, inklusive meiner Person. Verrechnet man diese Zahl mit Wolfsburg (120 000 Einwohner), ergibt das eine Nico-Fan-Durchschnittsquote von 1 zu 40 000. Unter den Mohawk sei er wohl, sagte Akwiratékha (»Brennender Busch«), der einzige Nico-Fan. Sollte er, Akwiratékha, jemals nach Berlin kommen, könnten wir gemeinsam eine Ehrenradtour zu Nicos Grab unternehmen, schlug ich vor. Ihre Grabstätte befindet sich auf dem »Friedhof der Namenlosen«, gleich hinter dem Teufelssee im Grunewald.
Geht noch weiter. Denn: Jungle World-Autoren erzählen in der aktuellen Ausgabe von der ersten und der letzten Zigarette …

Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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3 Antworten zu Eine rauchige Geschichte von Wolfgang Müller

  1. knörzel schreibt:

    den hab ich mal gehört. ziemlich laut

  2. The Violet White Football Sofa schreibt:

    http://die-toedliche-doris.de/
    Wer kennt sie nicht???

  3. hibouh schreibt:

    Die Mohawk! Ich sags doch……

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