Mein altes schönes ganz schön doofes Burgsteinfurt

Ich war den heutigen Montag in Burgsteinfurt. Sonniges Vorostern. Ich habe dort fast neun Jahre gelebt und in der wunderbaren Stadtbibliothek wohl alle Geschichtsbücher dieses “Gedichts im westfälischen Tieflandbusen” gelesen (so der erste, leider antisemitische, Tourismusbuchschreiber 1903, der Gymnasialprofessor und Stadtarchivar Karl Döhmann). Über Steinfurt hatte ich mal eine Seite im Netz, steinfurt-in-bild-und-text.de, fünf Jahre lang, mit weit über tausend Bildern dieser schönen Stadt, und mit bösen Texten dazu, die die lokalen Filialen der MZ und der WN aber nicht interessierten.
Heute habe ich wieder den alten Jüdischen Friedhof – an der Großen Allee in den Bagno hinein gelegen – fotographiert, der Neue Jüdische Friedhof liegt in der Stadt abgeschlossen gegenüber dem evangelischen, wo übrigens die Gründer-Familie der Tabakdynastie begraben liegt, die Rothmans den Namen gegeben hat. Der neue Jüdische Friedhof sieht aus wie ein jüdischer Friedhof, aber es gibt keine Juden mehr in Burgsteinfurt.
Ich fotographierte auch das Mahnmal für die alte Synagoge, im Rücken der Hohen Schule gelegen, der ersten Universität Westfalens, heute VHS, durch Graf Arnold gegründet, der dem Arnoldinum seinen Namen gab, auf dem mein Sohn heute was lernen soll. Die Synagoge wurde planmäßig im November 38 zerstört, allerdings erst am 11. November, weil die braunen Genossen hier etwas langsam drauf waren, dafür dann aber sehr brutal. – Man lebte dann weiter, und man kannte die Täter bis an ihr Lebensende, aber sie lebten so dahin in ihrer westfälisch-deutschen wunderschönen Umgegend. Jeder kann das lesen, in der höchsteigenen Bibliothek, und jeder, der aufmerksam nur wenige Zeit am Orte gelebt hat, weiß das. Alles. –
So war das, kann einer sagen; so ist das noch, kann wissen, wer nachliest –  in wirklichen Geschichtsbüchern und Archivalien – und aufschaut.  Es ist heute.

Es ist noch Steinzeit.

Spät abends sagt mir mein DGB-Kalender, daß am 26. März 1942 der erste Vernichtungstransport in Auschwitz angekommen ist.

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Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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