67. Tag der Befreiung vs das Straßenbild vor Ort

Münster (27. Januar 2012, Pressestelle der FH). „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ ist der Titel einer neuen Ausstellung zur aktuellen Diskussion über die Umbenennung von Straßennamen in Münster. Sie ist Teil der vom Ältestenrat der Stadt angeregten Dialog- und Informationsphase, die die Öffentlichkeit über das Leben und Wirken der umstrittenen Namenspatrone und ihre Verbindungen zum Nationalsozialismus aufklären soll. Das Ausstellungskonzept haben Philipp Schwerdtfeger und Johannes Vogt, zwei Absolventen der Fachhochschule Münster, entwickelt.
Zur Eröffnung versammelten sich über 200 interessierte Bürger im Rathaus und hörten den Historiker Hans-Ulrich Thamer. Der Universitätsprofessor ist Mitglied der Historikerkommission, die in den vergangenen Monaten die Namensgeber von Straßen auf ihre Verstrickungen mit dem NS-Regime untersucht hat.
Die Ausstellung zeigt Personen dieser Liste in Form von elf lebensgroßen Silhouetten. Mit aufgedruckten Texten informieren sie über die Rolle der Dargestellten im Nationalsozialismus. Die Kommission empfiehlt etwa die Umbenennung des Hindenburgplatzes – größter Zankapfel der Diskussion. Die Dichterin Agnes Miegel war laut Kommission eine „Stütze des NS-Regimes im Bereich Kultur und verherrlichte den ‚Führer‘ in ihren Werken“.
Die Texte hat ein Redaktionsteam um Dr. Hannes Lambacher und Anja Gussek verfasst. Die Leiter des Stadtarchivs haben zudem historisches Originalmaterial zur Verfügung gestellt.
„Ich hoffe, dass die Ausstellung die erforderliche Sensibilität in der Diskussion um die Umbenennung fördert“, sagte Oberbürgermeister Markus Lewe. Er meint: „Hindenburg kann kein politisches Vorbild sein, und ihm gebührt deshalb auch keine öffentliche Ehrung.“
Zu sehen ist die öffentliche Ausstellung bis zum 16. März in der Bürgerhalle des Rathauses.

N.b.: Am 27. Januar jährt sich die Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee zum 67. Mal. Vielen jungen Deutschen sagt der Name Auschwitz jedoch nichts mehr: Laut einer Umfrage des Stern wissen 21 Prozent der unter 30jährigen nicht, daß der Name für ein Vernichtungslager der Nationalsozialisten steht.

Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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5 Antworten zu 67. Tag der Befreiung vs das Straßenbild vor Ort

  1. Der Bassist schreibt:

    Münster ist aber echt ein Kopfsteinpflaster,.oder?

  2. netzberg schreibt:

    Spöttisch würde ich sagen: Wir sind doch schon dreimaliger Gedenkweltmeister!
    – Aber im Alltag, bei den Straßennamen etwa, wurde wohl eher den Nazimitläufern und -kleintätern gedacht. Warn halt Nachbarn. 🙂

  3. h. herforder schreibt:

    Es ist alles gleich dumm. Dümmer als die Friedensstädte OS und MS kann selbst BI nicht. Die Uni der nichtexistenten Stadt zeigt es jeden Tag.

  4. The Violet White Football Sofa schreibt:

    Es ist das dreckige Deutschland, in dem ich selbst gelebt habe. Verlogen und dreckig dumm gemacht durch Springer und Co. Das andere Land: – wo meine andere Oma war. Noch keine Utopie freilich, aber konkret anders in spe.
    Abgehackt mit Dummbatz Gorbi im Examensjahr.

  5. Pingback: Münsterstadt Hindenburgplatz Kapital- statt Prinzipalmarkt « Der Rote Salon

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