Das Ende des 13. August

Karl Liebknecht, Alfred Hitchcock, Felix Wankel und Fidel Castro geboren, und Heike Makatsch auch noch? H. G. Wells, August Bebel, Eugène Delacroix gestorben? Mauer zwischen Leben und Tod gebaut? –
Pah! Slutwalkdemo (!!!) in fünf Großräumen der sinnlos vereinigten Bundesrepublik. Slutwalk? Nimm dies: Am 24. Januar 2011 sprach der Polizeibeamte Michael Sanguinetti zusammen mit einem höherrangigen Kollegen vom Toronto Police Service zum Thema der präventiven Verbrechensbekämpfung an der Osgoode Hall Law School der York University in Toronto. Dabei vertrat Sanguinetti die Auffassung, dass „Frauen vermeiden sollten, sich wie Schlampen anzuziehen, um nicht zum Opfer zu werden.“ („women should avoid dressing like sluts in order not to be victimized“). Nach späterer Aussage eines Studierendenvertreters war Sanguinettis Kommentar eine eher spontan eingeworfene und helfend gedachte Anmerkung während des Referats seines älteren Kollegen. Unter den etwa zehn Zuhörenden habe für einen kurzen Moment Sprachlosigkeit geherrscht, bevor Sanguinettis Kollege mit der Präsentation fortfuhr.
Der Vorfall stieß unmittelbar nach Bekanntwerden zunächst in der Universitätsöffentlichkeit auf Unverständnis und ablehnende Reaktionen, in deren Rahmen die Studierendenvertretung York Federation of Students Executive (YFS) die Polizei von Toronto um eine schriftliche Entschuldigung und Erklärung des Vorfalls bat.
Die Polizeisprecherin von Toronto, Meghan Gray, betonte, Sanguinettis Äußerung stünde in komplettem Widerspruch dazu, was Polizeibeamten beigebracht werde, nämlich, dass Frauen nichts zu einem sexuellen Übergriff beitrügen. Sanguinetti selbst entschuldigte sich am 17. Februar in einer E-Mail für seine Äußerung und bezeichnete seinen Kommentar als schlecht durchdacht, der nicht die Position des Toronto Police Service gegenüber Opfern sexueller Übergriffe widerspiegele.

Die Folge: Eine grandiose Selbstbewegung Halbnackter in der Öffentlichkeit, die aber nicht einmal bei einem Zalando-Werbespot mitmachen dürften. Seitdem es Bilder gibt, wird die Schlampen-Art jedoch als links und emanzipatorisch verkauft.

Über rainer kühn

Den autoritären Charakter findet man leider von links bis erwartet rechts in allen Schwatzbuden des Internetzls. (Theodor W. Adorno & seine kritische Theorie)
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3 Antworten zu Das Ende des 13. August

  1. rainer kühn schreibt:

    Die angemessensten Kommentare zum ‚voll angesagten‘ Slutwalkhype fand ich hier: sweetheart, Tiefscharf, R.G. sagen es auf Mission Impossible – http://thinktankboy.wordpress.com/teekuche/#comment-11433 http://thinktankboy.wordpress.com/teekuche/#comment-11429 ff.

  2. rainer kühn schreibt:

    Ich schäme mich auch nicht, noch diese Kommentare aus dem Bloggerraum der ansonsten überaus fragwürdigen Wochenzeitung derFreitag heranzuziehen:
    j-ap am 10.08.2011 Na klar, liebe dame. Schenkt euch ein Glas Gin Tonic oder auch Kaba ein, zündet euch eine Zigarette an, schlaft, mit wem ihr wollt oder lasst es bleiben, wenn euch das lieber ist — und scheißt einfach auf den Rest, statt daraus gleich wieder eine blödsinnige »politische Bewegung« zu machen, deren Ergebnis doch wieder nur: Politik und gerade nicht: Emanzipation ist.

    sowie: eher die Befürchtung, daß die Slut-Walk-Bewegung früher oder später eben genau da herauskommen könnte, wo ihre Antezedenten, die Homosexuellen- und die Frauenbewegung, schon längst angekommen sind: im ganz, ganz flachen, hie und da von politischen Brackwasserrinnsalen durchzogenen Niemandsland der Affirmation.

  3. rainer kühn schreibt:

    Einen der komplett denkfreien Beiträge zum kurrenten Thema schrieb die Praktikantin Sarah Rudolph für Küche & Garten hier: http://www.freitag.de/alltag/1132-slutwalk-rosenbach#comment-300685 Der Link zum Kommentar versöhnt: der beginnt nämlich mit hahaha.

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